Bis heute faszinieren Militäruhren Uhrenliebhaber weltweit. Wir zeigen dir in dieser Reportage, wie sie sich von den ersten Armbanduhren im Militäreinsatz bis zu den bekannten Dienstuhren der Bundeswehr entwickelt haben.
Militäruhren erzählen keine geradlinige Heldengeschichte. Sie entstanden aus sehr praktischen Problemen: Soldaten mussten Zeit ablesen, ohne eine Hand von Karte, Steuerknüppel oder Ausrüstung zu nehmen. Einheiten mussten Bewegungen koordinieren, Navigatoren mit präzisen Zeitwerten arbeiten und Taucher ihre verstrichene Zeit im Blick behalten.
Aus diesen Aufgaben entwickelten sich unterschiedliche Uhrentypen. Dazu zählen die einfache Felduhr und die übergroße Beobachtungsuhr. Viele ihrer Merkmale prägen Armbanduhren bis heute. Dieser Überblick trennt die historisch belegbaren Entwicklungen von späteren Markenlegenden. Wenn du wissen möchtest, welche Modelle heute sinnvoll sind, findest du sie im zweiten Teil über aktuelle Militäruhren.
Was zeichnet eine historische Militäruhr aus?
Eine Militäruhr ist zunächst keine Stilrichtung. Historisch wurde eine Uhr für eine konkrete Aufgabe beschafft, ausgegeben oder nach einer militärischen Spezifikation gefertigt. Das kann eine robuste Armbanduhr für Bodentruppen, eine präzise Navigationsuhr für fliegendes Personal oder eine Taucheruhr mit drehbarer Lünette sein.
Über Epochen und Streitkräfte hinweg tauchen einige Anforderungen immer wieder auf:
- Die Zeit muss bei Tageslicht und Dunkelheit schnell ablesbar sein.
- Gehäuse, Glas und Werk sollen Stöße, Feuchtigkeit und Temperaturschwankungen aushalten.
- Bedienelemente müssen auch unter ungünstigen Bedingungen funktionieren.
- Die Uhr darf die Bewegungsfreiheit möglichst wenig einschränken.
- Für Navigation und abgestimmte Abläufe zählt eine verlässliche Ganggenauigkeit.
Ein schwarzes Zifferblatt, Leuchtziffern oder ein olivfarbenes Textilband machen eine zivile Uhr deshalb noch nicht zur historischen Militäruhr. Entscheidend sind Spezifikation, Beschaffung und belegbare Verwendung.
Militäruhren im Zeitstrahl
Die wichtigsten Entwicklungsschritte im Überblick:
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1912–1918
Frühe Armband- und Trench Watches
Umgebaute Taschenuhren und frühe Armbanduhren zeigen den fließenden Übergang zur Uhr am Handgelenk.
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1914–1918
Verbreitung im Ersten Weltkrieg
Die schnell ablesbare Zeit am Handgelenk bewährt sich bei Koordination, Navigation und Artillerie.
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1939–1945
Spezialisierte Dienstuhren
B-Uhren, amerikanische A-11 und britische W.W.W.-Modelle stehen für unterschiedliche militärische Anforderungen.
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ab 1948
Neue Navigationsuhren
Modelle wie die IWC Mark 11 verbinden gute Ablesbarkeit mit Anforderungen an Präzision und Magnetfeldschutz.
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ab 1955
Dienstuhren der Bundeswehr
Junghans- und später Heuer-Chronographen werden bekannte Beispiele deutscher militärischer Fliegeruhren.
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ab 1970
Quarz- und Digitaltechnik
Elektronische Uhren erweitern die Auswahl um robuste, genaue und vergleichsweise günstige Einsatzuhren.
Militäruhren vor dem Zweiten Weltkrieg
Die Entwicklung der Militäruhr begann nicht erst 1914. Schon im späten 19. Jahrhundert gab es Uhren, die am Handgelenk getragen wurden. Wie so oft bei frühen Uhrengeschichten liegen belegte Objekte, spätere Firmengeschichten und Legenden eng beieinander.
Ein häufig erzähltes Beispiel betrifft Girard-Perregaux: Kaiser Wilhelm I. soll um 1880 eine größere Serie Armbanduhren für Offiziere der deutschen Marine bestellt haben. Die Geschichte ist plausibel, lässt sich mit heute zugänglichen Primärquellen aber nicht zweifelsfrei belegen, wie es manche Darstellungen behaupten. Sie bleibt trotzdem spannend, weil sie zeigt, wie früh der praktische Nutzen einer Uhr am Handgelenk erkannt wurde.
Vom Offizierszeitmesser zur Armbanduhr
Tragbare Uhren waren lange Taschenuhren. Sie waren geschützt unter der Kleidung untergebracht, mussten zum Ablesen aber herausgenommen werden. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts gab es bereits Armbanduhren und umgebaute Taschenuhren. Ihre militärische Verbreitung erfolgte jedoch schrittweise. Eine einzelne, zweifelsfrei belegte „erste Militäruhr“ lässt sich nicht bestimmen.
In zeitkritischen Situationen lag der Vorteil am Handgelenk auf der Hand: Ein Blick genügte, während beide Hände frei blieben. Das britische Science Museum dokumentiert eine umgebaute Ingersoll-Uhr aus der Zeit von 1912 bis 1918. An ihr wurden Bandanstöße ergänzt und die Ziffern erhielten eine Leuchtfarbe. Solche Umbauten zeigen, wie fließend der Übergang von Taschen- zu Armbanduhr war.
Frühe Armbanduhren besaßen oft kleine Gehäuse, eine separate kleine Sekunde und Lederbänder. Schutzgitter über dem Glas sind heute ein bekanntes Bild dieser Epoche, waren aber nicht das alleinige Kennzeichen einer Dienstuhr.
Militäruhren im Ersten Weltkrieg
Der Erste Weltkrieg beschleunigte die Verbreitung der Armbanduhr. Artilleriefeuer, Infanteriebewegungen und Angriffe mussten zeitlich aufeinander abgestimmt werden. Im Graben war eine Taschenuhr umständlich: Sie musste hervorgeholt und anschließend wieder verstaut werden. Die Armbanduhr ließ sich schneller ablesen und blieb eher verfügbar, wenn beide Hände gebraucht wurden.
Das Imperial War Museum fasst diese Entwicklung knapp zusammen: Armbanduhren wurden bei Offizieren und Mannschaften beliebt, weil sie leichter abzulesen waren als Taschenuhren. Ein erhaltenes Exemplar aus der Sammlung des Museums ist einem Soldaten des kanadischen 29th Infantry Battalion zugeordnet. Solche Objekte sind aussagekräftiger als die oft wiederholte Behauptung, eine einzelne Marke habe die Militäruhr erfunden.
Britische und amerikanische Soldaten trugen dabei keine einheitliche „Weltkriegsuhr“. Neben dienstlich beschafften Modellen kamen privat gekaufte Armbanduhren und umgebaute Taschenuhren zum Einsatz. In den USA gehörten Waltham, Elgin und Hamilton zu den Herstellern, die das Militär im Laufe der beiden Weltkriege mit Uhren und Präzisionsinstrumenten versorgten.
Typische Merkmale der später „Trench Watches“ genannten Uhren waren gut erkennbare arabische Ziffern, Leuchtmasse und ein Band, das die Uhr am Handgelenk hielt. Die Gehäuse waren nach heutigen Maßstäben klein und nicht automatisch wasserdicht. Auch die Versorgung war uneinheitlich: Neben dienstlich beschafften Uhren wurden privat gekaufte und umgebaute Modelle getragen.
Longines Type A-7: schräg ablesbar im Cockpit
Noch vor dem Zweiten Weltkrieg entstanden stärker spezialisierte Fliegeruhren. Ein besonders auffälliges Beispiel ist die Longines Type A-7. Das Modell wurde 1935 für die US-Luftfahrt bestellt. Sein Zifferblatt ist gedreht, damit ein Pilot die Zeit ablesen konnte, ohne den Arm vollständig vom Steuer zu nehmen. Der Chronograph ließ sich über einen einzelnen Drücker in der Krone bedienen.
Longines greift diese Konstruktion heute in der Avigation Watch Type A-7 1935 wieder auf. Das folgende Bild zeigt diese moderne Interpretation, nicht das damals ausgegebene Original.
Militäruhren im Zweiten Weltkrieg
Im Zweiten Weltkrieg wurden Aufgaben und Spezifikationen differenzierter. Eine Uhr für einen Navigator musste andere Anforderungen erfüllen als eine Felduhr für Bodentruppen. Zugleich konnten große Hersteller standardisierte Modelle in großen Stückzahlen fertigen.
Die Form folgte der Funktion: kontrastreiche Zifferblätter, leuchtende Markierungen, robuste Werke und klar gegliederte Minuten- und Sekundenskalen. Bei militärischen Originalen finden sich häufig Eigentums-, Versorgungs- oder Spezifikationsmarkierungen auf Zifferblatt und Gehäuseboden. Diese Zeichen sind für Sammler wichtig, müssen aber immer zusammen mit Werk, Gehäuse und dokumentierter Provenienz beurteilt werden.
Deutschland: Beobachtungsuhren statt gewöhnlicher Fliegeruhren
Die deutschen Beobachtungsuhren, kurz B-Uhren genannt, waren große Navigationsinstrumente. Nach den historischen Angaben von Laco fertigten fünf Unternehmen nach Vorgaben des Reichsluftfahrtministeriums: A. Lange & Söhne, IWC, Laco, Stowa und Wempe. Die Uhren hatten einen Durchmesser von 55 Millimetern und wurden über der Fliegerbekleidung getragen.
Zwei bekannte Zifferblattmuster trennten Stunden- und Minutenablesung unterschiedlich. Die große Krone erleichterte die Bedienung, das lange Band das Tragen über der Kleidung. B-Uhren waren Navigationsinstrumente und keineswegs die Standarduhr jedes Piloten. Für ihre ausführliche Entwicklung und heutige Nachfolger ist der Ratgeber über Fliegeruhren und B-Uhren die passendere Vertiefung.
Italienische Militäruhren im Zweiten Weltkrieg
In Italien ist die Geschichte der Militäruhr eng mit Panerai und der königlich-italienischen Marine verbunden. Panerai hatte bereits 1916 das Leuchtmaterial Radiomir patentieren lassen. In den 1930er-Jahren entstanden Prototypen großformatiger Taucheruhren, deren Zifferblätter auch unter Wasser gut ablesbar sein sollten. Das kissenförmige Gehäuse, große Leuchtziffern und ein langes Band für den Tauchanzug wurden später zu prägenden Gestaltungsmerkmalen der Marke.
Panerai ordnet den Prototyp mit der Referenz 2533 in das Jahr 1935 ein. Die bekannte Referenz 3646 folgte in den 1940er-Jahren. Mehr zu Radiomir, Kampfschwimmern und der späteren zivilen Karriere der Marke steht in unserer Geschichte der Panerai-Uhren.
Sowjetische und russische Militäruhren
Auch die sowjetische Uhrenindustrie wurde vom Krieg geprägt. Die Erste Staatliche Uhrenfabrik in Moskau war bereits 1930 gegründet worden und fertigte später unter anderem Zeitmesser für Luftfahrt und Militär. Nach dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion wurden Maschinen und Fachkräfte der Zweiten Moskauer Uhrenfabrik 1941 nach Tschistopol evakuiert. Aus diesem Standort ging später die Marke Wostok hervor.
Russische Militäruhren bilden deshalb keine einzelne Modellfamilie, sondern eine eigene Industriegeschichte aus Moskauer Fertigung, evakuierten Werken und späteren Spezialmodellen. Einen ausführlicheren Überblick über Poljot, Wostok, Sturmanskie und weitere Hersteller gibt unser Ratgeber zu russischen Uhrenmarken.
A-11, Dirty Dozen und Beobachtungsuhren
Drei Begriffe werden in der Geschichte der Militäruhren besonders häufig vermischt. Sie bezeichnen keine drei konkurrierenden Marken, sondern unterschiedliche Beschaffungs- und Einsatzkonzepte.
A-11: eine US-Spezifikation, kein einzelnes Modell
Die A-11 gilt als archetypische amerikanische Felduhr des Zweiten Weltkriegs. A-11 bezeichnet eine Spezifikation, keine einzelne Referenz. Nach der Darstellung des National WWII Museum gehörte sie zu den verbreiteten Armbanduhren der US Army. Hersteller wie Bulova, Elgin und Waltham fertigten entsprechende Uhren.
Die typische Gestaltung war nüchtern: schwarzes Zifferblatt, helle arabische Ziffern, Minutenteilung und zentrale Sekunde. Die genaue Zeit ließ sich schnell erfassen und synchronisieren. Gerade diese Zweckmäßigkeit wurde später zur Vorlage zahlloser ziviler Field Watches.
USN BuShips: frühe Taucheruhren der US Navy
Für Einsätze unter Wasser reichte eine gewöhnliche Felduhr nicht aus. Die US Navy nutzte deshalb sogenannte BuShips Canteen Watches. Ihr auffälligstes Merkmal war eine verschraubte Kappe über der Krone, die mit einer kurzen Kette am Gehäuse hing. Sie schützte eine der empfindlichsten Stellen der Uhr vor eindringendem Wasser.
Modelle dieser Art wurden unter anderem von Hamilton und Elgin gefertigt. Der Spitzname „Canteen Watch“ entstand durch die Ähnlichkeit der Kronenkappe mit dem Verschluss einer Feldflasche. Ein erhaltenes Elgin-Exemplar bei Christie’s zeigt, wie kompakt diese frühen militärischen Taucheruhren im Vergleich zu heutigen Diver-Modellen waren.
W.W.W. und das „Dirty Dozen“
Schon zu Beginn des Krieges beschaffte die britische Armee Uhren nach dem Army Trade Pattern, kurz ATP. Sie stammten von verschiedenen Schweizer Herstellern und waren noch keine einheitliche Modellreihe. Gegen Kriegsende folgte die klarer definierte W.W.W.-Anforderung. Die Abkürzung steht für „Watch, Wrist, Waterproof“.
Zwölf Schweizer Hersteller lieferten diese Uhren: Buren, Cyma, Eterna, Grana, IWC, Jaeger-LeCoultre, Lemania, Longines, Omega, Record, Timor und Vertex. Erst Sammler fassten die Gruppe später unter dem Filmtitel „Dirty Dozen“ zusammen.
IWC dokumentiert seine W.W.W.-Uhr von 1945 als eine der zwölf Lieferungen für die britische Armee. Schwarzes Zifferblatt, kleine Sekunde, robuste Ausführung und die britische Broad-Arrow- Markierung gehören zu den wiederkehrenden Merkmalen. Die Uhren ähneln sich, sind aber keine zwölf identischen Varianten desselben Modells.
Für Sammler ist der Zusammenhang von Zifferblatt, Gehäuse, Werk und militärischen Nummern entscheidend. Ausgetauschte Teile sind bei tatsächlich genutzten Uhren nicht ungewöhnlich, verändern aber die Bewertung als Originalzustand.
B-Uhr: ein Navigationsinstrument
Die Beobachtungsuhr gehört in dieselbe Epoche, erfüllte jedoch einen anderen Zweck als A-11 und W.W.W. Ihr großes Format diente der schnellen, präzisen Ablesung bei der Flugnavigation. Eine B-Uhr ist deshalb historisch eher Instrument als universelle Felduhr.
Moderne Neuinterpretation: Die Laco Original Leipzig übernimmt das historische Baumuster einer Beobachtungsuhr in eine heute tragbare Armbanduhr. Sie stammt von einem der fünf damaligen Hersteller, ist aber keine originale Dienstuhr und kein Beleg für eine heutige militärische Nutzung.
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Zum AngebotMilitäruhren nach 1945
Nach dem Zweiten Weltkrieg verschwanden mechanische Militäruhren nicht sofort. Spezialisierte Uhren wurden weiterentwickelt: Flieger brauchten antimagnetische und präzise Navigationsuhren, Taucher gut ablesbare Uhren mit kontrollierbarer Tauchzeit, Bodentruppen robuste und wartbare Zeitmesser.
Historisch inspirierte Field Watch: Die Hamilton Khaki Field Mechanical greift die reduzierte Gestaltung militärischer Felduhren auf. Das heutige Modell ist jedoch eine zivile Armbanduhr und keine aktuell ausgegebene Dienstuhr.
Hamilton Armbanduhr Khaki Field Mechanical 38 mm Grau/Schwarz H69409930
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Zum AngebotEin Beispiel ist die IWC Mark 11. Sie wurde ab 1948 für die Royal Air Force und später weitere Commonwealth-Streitkräfte geliefert. Laut IWC-Archiv schützte ein Weicheisen-Innengehäuse das Werk vor Magnetfeldern. Die Uhr war für die Astro-Navigation vorgesehen. Dieser technische Zweck erklärt ihre Gestaltung besser als der heute häufig verwendete Sammelbegriff „Pilotenuhr“.
In Frankreich entstand zur gleichen Zeit eine weitere prägende Fliegeruhr. Das Verteidigungsministerium schrieb Anfang der 1950er-Jahre einen Flyback-Chronographen für die Luftwaffe aus. Breguet gehörte zu den Lieferanten. Der Hersteller unterscheidet heute zwischen der militärischen Bezeichnung Type 20 und den zivilen Type-XX-Modellen und dokumentiert die Entstehung der Baureihe in seinem Archiv.
Mit Quarzwerken änderten sich die Prioritäten. Hohe Ganggenauigkeit wurde günstiger, Batteriebetrieb verringerte den täglichen Bedienaufwand und Digitalanzeigen brachten Alarm, Stoppuhr und weitere Funktionen ans Handgelenk. Mechanische Uhren blieben im Einsatz, verloren aber ihre frühere Alternativlosigkeit.
Auch die Leuchttechnik wandelte sich. Radiumhaltige Farbe war über Jahrzehnte für Uhren und militärische Instrumente verbreitet. Später kamen unter anderem Tritium und nicht radioaktive, aufladbare Leuchtmassen hinzu. Auf Tritium-Gaslichtquellen setzen bis heute taktische Marken wie KHS.
Auch in der Sowjetunion entstanden nach dem Krieg bekannte Modellfamilien. Dazu zählen die Komandirskije und die für höhere Wasserdichtigkeit konstruierte Amphibia von Wostok. Ihre Geschichte und heutige Modelle behandeln wir ausführlicher im Überblick über russische Uhrenmarken.
Von der britischen W10 zur CWC G10
Bei den britischen Streitkräften folgten auf die W.W.W.-Uhren schlichtere Dienstuhren, deren Kennzeichnung „W10“ heute eng mit Armeeuhren von Smiths, Hamilton und später CWC verbunden ist. Das reduzierte Zifferblatt, feste Bandstege und ein schmales Gehäuse zeigen, dass Ablesbarkeit und zuverlässige Befestigung wichtiger waren als ein prestigeträchtiger Markenauftritt.
1980 lieferte CWC nach eigenen Angaben die erste Quarzuhr für die britischen Streitkräfte. Die CWC G10 steht damit beispielhaft für den Wechsel von mechanischen Werken zur robusten, genaueren Quarztechnik. CWC führt die G10 bis heute als zivile Neuauflage.
Tornek-Rayville und Rolex MilSub
Bei militärischen Taucheruhren entstanden nach 1945 zwei besonders gesuchte Modelle. Die Tornek-Rayville TR-900 war eine für die US Navy angepasste Verwandte der Blancpain Fifty Fathoms. Blancpain dokumentiert für 1964 und 1966 insgesamt nur rund 1.080 gelieferte Exemplare und erklärt die Besonderheiten der TR-900 in seinem historischen Magazin.
Die britische Royal Navy ließ in den 1970er-Jahren außerdem Rolex-Submariner-Uhren für militärische Anforderungen anpassen. Die heute MilSub genannten Modelle erhielten unter anderem feste Bandstege, markante Schwertzeiger und eine vollständig skalierte Lünette. Ein dokumentiertes Exemplar der Referenz 5513 zeigt auf dem Gehäuseboden noch seine militärischen Ausgabenummern.
Militäruhren bei Bundeswehr und NATO
Die 1955 gegründete Bundeswehr benötigte eigene Ausrüstung. Zu den bekannten Lieferanten verschiedener Beschaffungsphasen zählen Junghans ab 1959, Heuer ab 1967, Orfina/Porsche Design ab 1979, Arctos ab 1982, Tutima ab 1983 und Tengler ab 1990. Auch Sinn war in den 1980er- und 1990er-Jahren mit Bundeswehr-Chronographen verbunden. Die Jahreszahlen bezeichnen dabei keine einheitliche, lückenlose Ausstattung der gesamten Bundeswehr, sondern unterschiedliche Aufträge und Modellgenerationen.
Zu den bekannten Uhren gehören die Heuer 1550 SG, die Sinn 156 und der frühe Junghans-Fliegerchronograph. Letzterer wird je nach Quelle unter J88/0110 oder J88/0111 geführt. Charakteristisch waren sein Handaufzug, die Chronographenfunktion und eine drehbare Lünette mit Markierung.
Sinn dokumentiert die Verbindung über das historische Modell 155 und aus Bundeswehr-Beständen stammende Heuer-Leonidas-Uhren. Solche Dienstuhren zeigen, wie Beschaffung tatsächlich funktioniert: Spezifikationen, Versorgungsnummern und mehrere Lieferanten sind wichtiger als ein allgemein klingender Markenname.
Eine ganz andere Bundeswehr-Uhr war die Porsche Design by IWC Ocean. Für Kampfschwimmer, Waffentaucher und Minentaucher entstanden eigene Ausführungen, die Sammler heute meist „Ocean Bund“ nennen. Ihre Versorgungsnummern und Gehäusemarkierungen sind ein gutes Beispiel dafür, wie sich eine echte Dienstuhr von einer äußerlich ähnlichen zivilen Variante unterscheiden lässt.
„NATO-Uhr“ ist dagegen kein eindeutiger historischer Uhrentyp. NATO- Versorgungsnummern können reale Beschaffungen dokumentieren. Ein „NATO-Armband“ oder militärisches Design im Verkaufstext beweist allein keine Ausgabe an Streitkräfte.
Vom Einsatzgegenstand zum Sammlerstück
Historische Militäruhren sind heute begehrt, gerade weil ihre Gebrauchsspuren eine konkrete Geschichte erzählen können. Diese Faszination macht den Markt aber anfällig für zusammengesetzte Uhren, nachträglich bedruckte Zifferblätter und vage Herkunftsangaben.
Vor einem Kauf sind mindestens diese Punkte zu prüfen:
- Passen Werk, Gehäuse und Zifferblatt zur behaupteten Spezifikation?
- Stimmen militärische Markierungen und Seriennummern in Form und Position?
- Wurden Zeiger, Krone, Zifferblatt oder Gehäuseboden ersetzt?
- Gibt es belastbare Unterlagen zur Herkunft?
- Enthält die Uhr möglicherweise alte radioaktive Leuchtmasse?
Der letzte Punkt ist kein theoretisches Detail. Die U.S. Nuclear Regulatory Commission weist darauf hin, dass Radium bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts für selbstleuchtende Uhren und Instrumente verwendet wurde. Radium-226 hat eine Halbwertszeit von ungefähr 1.600 Jahren.
Häufige Fragen zur Geschichte der Militäruhren
Wann entstand die erste Militäruhr?
Ein einzelnes, zweifelsfrei belegtes erstes Modell gibt es nicht. Armbanduhren und umgebaute Taschenuhren wurden schon vor 1914 getragen. Der Erste Weltkrieg sorgte für ihre militärische Verbreitung, weil sich die Zeit am Handgelenk schneller und mit freien Händen ablesen ließ.
Was ist eine Weltkriegsuhr?
„Weltkriegsuhr“ ist ein moderner Sammelbegriff, keine einheitliche Spezifikation. Gemeint sein können private Trench Watches des Ersten Weltkriegs, amerikanische A-11-Uhren, britische W.W.W.-Modelle, deutsche Beobachtungsuhren oder viele andere dienstlich und privat verwendete Zeitmesser.
Welche Hersteller gehörten zum Dirty Dozen?
Die zwölf W.W.W.-Lieferanten waren Buren, Cyma, Eterna, Grana, IWC, Jaeger-LeCoultre, Lemania, Longines, Omega, Record, Timor und Vertex. „Dirty Dozen“ ist der spätere Sammlername, nicht die damalige offizielle Bezeichnung.
Was ist der Unterschied zwischen B-Uhr und Fliegeruhr?
Fliegeruhr ist ein weiter Oberbegriff. Die historische B-Uhr war eine nach konkreten Vorgaben gefertigte, 55 Millimeter große Beobachtungsuhr für die Navigation. Nicht jede historische oder moderne Fliegeruhr ist eine B-Uhr.
Welche Uhren trug die Bundeswehr?
Es gab nicht nur ein Modell. Zu den bekannten frühen Beispielen zählen der Junghans-Fliegerchronograph und später Heuer-Fliegerchronographen wie die 1550 SG. Teilstreitkraft, Aufgabe und Beschaffungszeitraum bestimmten die Ausrüstung.
Werden klassische Militäruhren heute noch getragen?
Ihr Design lebt in Field Watches, Fliegeruhren und robusten Alltagsuhren weiter. Im tatsächlichen Dienst kommen heute je nach Aufgabe einfache Digitaluhren, Quarzuhren, mechanische Modelle und GPS-Uhren infrage. Mehr über heutige Militär- und Einsatzuhren.
