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Chinesische Uhren und Uhrenmarken: Überblick über die chinesische Uhrenindustrie

Chinesische Uhrenmarken übernehmen immer mehr Einfluss auf dem internationalen Uhrenmarkt. Viele bekannte Uhrenhersteller lassen mittlerweile ihre Uhren in China produzieren. Hier ein Überblick über chinesische Uhren.

China produziert heute etwa ein Viertel der weltweit gefertigten Armbanduhren und Uhrwerke. Doch haben chinesische Uhrenfabrikate keinen besonders guten Ruf. Dabei ist Chinaware eigentlich das englische Wort für Porzellan und häufig gleichbedeutend mit wertvoll und zerbrechlich. Als begehrte Luxusartikel gelangten die kostbaren Fabrikate nach Japan und Europa. Mit ihnen das gut gehütete Geheimnis der Herstellung. Es wurde kopiert, verbessert, verfeinert.

Heute hingegen steht das Prädikat „Made in China“ oftmals für minderwertige und kaputtbare Massenartikel. Darunter auch die chinesische Uhrenmarken und Erzeugnisse der chinesischen Uhrenindustrie, die seit Mitte der 1950er Jahre zum Exportweltmeister aufstieg.

Entwicklung der chinesischen Uhrenindustrie

Von Keramikmanufakturen, über staatlich geführte Unternehmen bis hin zum Dropshipping unserer Zeit, der Galopp durch die Geschichte zeigt, wie innovativ, wandelbar und anpassungsfähig die chinesische Wirtschaft sein kann. Der sich dabei abzeichnende Trend: hin zur Hochwertigkeit bei gleichbleibendem Preisvorteil. Damit greifen die Chinesen als erstes die ausländische Konkurrenz auf dem eigenen Markt an. Bisher profitierten insbesondere Uhrmacher aus der Schweiz und aus Deutschland vom guten Ruf ihrer Produkte. Mit großem Selbstvertrauen bemühen sich ebenso chinesische Hersteller, das genügend verspielte Vertrauen der zahlungskräftigen und anspruchsvollen Verbraucher zurückzugewinnen.

Korruption und staatliche Einflüsse auf chinesische Uhren

Rückendeckung bekommen chinesische Uhrenmarken in gewisser Weise von staatlicher Seite. So berichtete die Qianjiang Abendzeitung über den festgenommenen Direktor des Justizministeriums von Hefei, Hauptstadt der Provinz Anhui. In seiner Sammlung teurer Uhren befand sich eine Patek Philippe 5002P-001 im Wert von etwa einer Million Euro. Nach abgelehntem Einspruch erhielt der nunmehr seinen Ämtern enthobene Parteigenosse eine zwölfjährige Freiheitsstrafe. Zusammen mit hohen Einfuhrsteuern auf Luxusgüter setzen solcherlei Urteile im Kampf gegen die Korruption gewiss ein abschreckendes Signal. Nebenher erschwert dies den Absatz westlicher und erleichtert den Vertrieb chinesischer Uhren im Reich der Mitte.

Im Jointventure auf der Jagd nach Know-How

Während der Reform-Ära der 80er Jahre wurde chinesischen Uhrenproduzenten erstmals in Sonderwirtschaftszonen die Bildung Jointventures mit westlichen Unternehmen erlaubt. Daraus entstand 1985 die Firma Rossini, 1987 Fiyta und 1991 Ebohr. Außerdem kaufte 2011 und 2013 Haidian Holdings, zu der inzwischen Rossini und Ebohr gehören, die Eterna Manufaktur und Corum, zwei speziell im Segment Highend vertretene Traditionsfirmen aus der Schweiz.

Chinesische Uhrenmarken profitieren vom Zugewinn an Know-How durch vielfältige Faktoren. Die wichtigsten lauten:

  • Nachbau von Uhren und Uhrwerken mit abgelaufenem Patentrecht.
  • Gemeinschaftsunternehmen westlicher und chinesischer Firmen.
  • Nach China ausgelagerte Zulieferindustrie westlicher Uhrenhersteller.
  • White- bzw. Private-Label Uhren und Uhrwerke im Auftrag westlicher Firmen.
  • Aufkauf westlicher Uhrenfabrikanten.

Beliebte chinesische Uhren

Hier eine Auswahl beliebter Uhren von chinesischen Uhrenmarken aus unterschiedlichen Kategorien. Während die Lige Uhren in einem besonders günstigen Preissegment angesiedelt sind, erhält man bei Feice sehr hochwertige chinesische Uhren mit mechanischem Uhrwerk.

Pagani Uhren

Feice Uhren

Burei Uhren

Lige Uhren

Binlun Uhren

Marktbereiche chinesischer Uhrenmarken

Chinesische Uhren lassen sich vor allem in die Kategorien Billiguhren, Replikas, Highend, Vintage und White-Label bzw. Private-Label unterscheiden.

  • Chinesische Billiguhren und Replikas

    Chinesische Uhren sind vor allem für billige Hommagen bekannter Luxusuhren berüchtigt. Ohne den eigentlichen Markennamen zu nennen, werden die Uhrenentwürfe von Rolex, Tag Heuer, Breitling, etc. übernommen und unter eigenen Markennamen zu extrem günstigen Preisen vertrieben. Einige dieser Marken sind Lige, Binlun, Burei, Megir, Pagani Design und Parnis.

  • Chinesische Uhren im Luxusbereich

    Dieser Bereich umfasst Luxusuhren mit ausgeklügelten Komplikationen, also Funktionen, die über die alleinige Anzeige von Stunde und Minute hinausgehen. Dazu gehören Uhrwerke mit ewigem Kalender, ganggenaue Uhren durch Tourbillons, Uhren mit akustischen Repetition-Schlagwerken oder Uhren mit emaillierten Ziffernblätter. Allen voran haben sich die drei großen Unternehmen Beijing, Seagull and Shanghai in diesem Segment etabliert.

  • Chinesische Vintage-Uhren

    Zu dieser Kategorie gehören Wiederauflagen chinesischer Uhren vergangener Tage. Besonderer Beliebtheit erfreuen sich dabei mechanische Uhren chinesischer Fabrikanten, die den Aufstieg der Quartzuhren in den 70er und 80er Jahren nicht überstanden haben. Neben Beijing, Seagull und Shanghai, stellen auch Shanghai ZuanShi, Guangzhou Fünf Ziegen oder Qingdao Zixin Replikate unter verschiedenen Markennamen her.

  • Chinesische White-Label- und Private-Label-Uhren

    Zur Kategorie White-Label gehören Fertigungsserien, die teilweise oder komplett für verschiedene westliche Uhrenmarken hergestellt werden. Zu den wichtigsten White-Labels gehören Aragon, Croton, Ingersoll, Invicta, Rotary, Stuhrling Original und Timex. Hinzu kommen chinesische Hersteller von Private-Labels, die Uhren nach Wünschen des Kunden anfertigen und mit dessen Markennamen versehen. Bekannte Hersteller sind Bolong, Chrono China, Fiyta, Hongliyuan, JSDA, Montrichard Group, Meigeer, Shenzhen Yonghao, Shenzhen Zhongshi und Tian Wang.

Bekannte chinesische Uhrenhersteller

Besonders im Marktbereich der Uhrwerke haben sich eine Reihe chinesischer Firmen etabliert, die ihre Kunden zunehmend außerhalb Chinas und erst recht auf dem eigenen Binnenmarkt finden. Zu diesen Firmen vom chinesischen Festland gehören:

  • Beijing Uhrengesellschaft
  • Guangzhou Fünf Ziegen Uhrengesellschaft
  • Hangzhou Uhrengesellschaft
  • Liaoning Peacock Uhrenfabrik
  • Nanning Uhrenfabrik
  • Industrielles Unternehmen Qingdao Zixin
  • Shandong Liaocheng Zhong Tai Uhrengesellschaft
  • Shanghai Uhrenindustrie
  • Tianjin Seagull Uhrengesellschaft
  • Tianwang Elektronik, Shenzhen
  • Yantai Polaris Uhrenfabrik

Das Yin und Yang chinesischer Uhrenherstellung

Wie wir in unserer Reportage dargelegt haben, decken chinesische Uhrenmarken und ihre Fabrikanten die komplette Bandbreite in der Herstellung von Armbanduhren ab. Erwähnte Probleme der Korruption, die sich ebenfalls entlang der Produktions- und Wertschöpfungskette vermuten lassen, erschweren weiterhin ein Durchsetzen wichtiger Qualitätsstandards innerhalb der chinesischen Uhrenindustrie. Ungeachtet dessen wird sich die starke Verbreitung der chinesischen Uhren auch hierzulande unaufhaltsam fortsetzen.

Chinesische Luxusuhren auf dem Vormarsch

Betrachtet man die irrsinnige Menge an Uhren, die jedes Jahr in China produziert werden, könnte man annehmen, dass die Uhrenherstellung seit Jahrhunderten ein Teil der Geschichte des asiatischen Landes ist. Doch im Vergleich zu Deutschland oder der Schweiz, kann Chinas Uhrenindustrie als beinahe jugendlich betrachtet werden. Dennoch hat auch China einige Vertreter, die mittlerweile auf eine eigene Tradition und Expertise im Bereich der Uhrenmanufaktur verweisen können. Einige davon wollen wir hier näher betrachten.

Seagull Watches

Wie wir bereits in der Geschichte der chinesischen Uhrenmarken dargelegt haben, ist die Uhrenfabrik in Tianjin von Anfang an ein wichtiger Teil der Uhrenindustrie Chinas. Der Name, der ihnen heute ihren Ruhm eingebracht hat, Seagull (zu deutsch Seemöwen), entstand jedoch erst 1992.

In wenigen Jahrzehnten hat sich die Tianjin Sea-Gull Corporation sogar zu einem der größten Uhrwerkhersteller der Welt entwickelt. Neben der Herstellung eigenen Uhren, werden die Seagull Kaliber von verschiedenen Uhrenmarken auf der ganzen Welt verwendet. Zum Beispiel in den Uhren von Stührling.

Neben der Produktion einfacher Uhrwerke, ist Seagull mittlerweile sogar in der Lage, mechanische Werke mit extrem komplizierten Komplikationen herzustellen. Im Jahr 2005 kam ihr erstes Tourbillon, 2006 ein Doppeltourbillon auf den Markt. Weitere Komplikationsmöglichkeiten sind Wecker, Minutenrepetitionen und ewige Kalender. Die chinesische Uhrenmanufaktur beweist damit ihr uhrmacherisches Können auf ganz hohem Niveau. Und natürlich können diese Komplikationen zu einem Bruchteil des Preises der Schweizer Alternativen angeboten werden. Dies hat in der Uhrenbranche naturgemäß für einiges an Aufsehen gesorgt.

Peacock Watch Company

Die Liaoning Peacock Watch Company mit Sitz in der Provinz Liaoning ist eine weitere moderne Uhrenfabrik. Sie wurde in den 50er-Jahren gegründet und gehört damit bereits zu den eingesessen chinesischen Uhrenmarken.

Wie für chinesische Uhrenhersteller üblich, produzierte die Liaonin Uhrenfabrik in den Anfängen unzählige Uhrwerke auf Basis von Schweizer und russischen Kalibern. Erst in den frühen 1980er Jahren verbesserten sie das chinesische Standardwerk. Dieses verbesserte Kaliber wurde in Uhren eingebaut, die zum ersten Mal unter der Marke Peacock vermarktet wurden. Dieser Name wurde auch beim Export für die Uhren des Herstellers verwendet.

Wie bei Seagull, findet in den letzte Jahren auch bei der Peacock Watch Company ein Wandel hin zu höheren Komplikationen statt. Vor allem auf die Entwicklung von Tourbillons wird hier besonderes Augenmerk gelegt. Das Tourbillon-Uhrwerk von Peacock erwies sich als so gut, dass sogar die Schweizer Uhrenmarke Cecil Purnell einen Entwurf davon für eine ihrer Modellreihen verwendet haben soll.

Memorigin

Die chinesische Uhrenmarke Memorigin hat seinen Sitz in Hongkong und konzentriert sich auf die Manufaktur von Tourbillonwerken. Mit über 40 Jahren Erfahrung haben sie bereits viele bekannte internationale Marken mit dieser Komplikation beliefert.

Nur wenige Hersteller können qualitativ hochwertige Tourbillons entwerfen und produzieren. Üblicherweise kaufen daher viele Marken die Tourbillon-Werke zu, um nicht viel Geld in die Forschung und Entwicklung eigener Uhrwerke stecken zu müssen. Memorigin hat sich in diesem Fachbereich mittlerweile einen herausragenden Stellenwert erarbeitet. Um die eigene Qualität hoch zu halten, verwendet der Hersteller nicht ausschließlich chinesische Teile, da einige Komponenten unglaublich spezialisiert sind. Die mit einem Memorigin Tourbillon ausgestatteten Uhren können in einem Preissegment von mehreren hunderttausend Dollar liegen. Damit legt Memorigin die Messlatte für chinesische Uhren ganz schön hoch.

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