Welche chinesischen Uhrenmarken gibt es, und was steckt hinter Namen wie Lige, Pagani Design oder Sea-Gull? Diese Liste ordnet die wichtigsten Marken nach Segment, vom einfachen Quarzwerk bis zum Tourbillon aus eigener Fertigung. Sie zeigt außerdem, wie du bei einer unbekannten Marke selbst herausfindest, woher sie kommt.

China ist der mit Abstand größte Uhrenproduzent der Welt. 2024 exportierte das Land rund 595 Millionen Uhren. Nach Stückzahl stammen etwa acht von zehn weltweit gefertigten Uhren aus chinesischer Produktion. Die Schweiz lieferte im Vergleich dazu rund 16 Millionen Stück aus, allerdings mit weitem Abstand dem höchsten Warenwert.

Der Ruf hinkt dieser Größe hinterher. „Made in China“ steht in der Wahrnehmung vieler Käufer für billige Massenware, und für einen Teil des Sortiments trifft das auch zu. Die Spannweite ist aber größer als bei jeder anderen Uhrennation: Dieselbe Industrie liefert Wegwerf-Quarzuhren für den Discounter und Tourbillonwerke, die auch Schweizer Marken einkaufen.

Liste chinesischer Uhrenmarken

Die folgende Übersicht führt die Marken, die im deutschsprachigen Handel tatsächlich auftauchen, alphabetisch nach Markennamen. Die Sitzangabe bezieht sich auf das Unternehmen hinter der Marke, nicht auf den Fertigungsort einzelner Bauteile.

UhrenmarkeSitzSegment
Beijing Watch FactoryPekingManufaktur, Tourbillon
BinlunGuangdongZubehör, Einstieg
BureiChinaflache Quarzuhren
CadisenChinaAutomatik, Mittelklasse
CIGA DesignShenzhenDesignuhren
CurrenGuangdongEinstieg, Mode
EbohrShenzhenBinnenmarkt, Citychamp
FeiceShenzhenBauhaus, Design
FiytaShenzhenBinnenmarkt, gehoben
LigeGuangzhouEinstieg, Mode
MegirShenzhenHommage-Uhren
MemoriginHongkongTourbillons
Pagani DesignShenzhenHommage-Uhren
ParnisGuangzhouHommage-Uhren
PeacockDandongManufaktur, Werke
RossiniShenzhenBinnenmarkt, Citychamp
Sea-GullTianjinManufaktur, Werke
Shanghai WatchShanghaiManufaktur, Vintage
SkmeiGuangdongEinstieg, Digital
Tian WangShenzhenBinnenmarkt

Viele weitere Namen, die dir bei Amazon oder AliExpress begegnen, gehören zu keiner Fabrik. Es sind Handelsmarken: eingetragene Wortmarken, unter denen ein Händler Uhren aus fremder Fertigung verkauft. Woran du eine solche Handelsmarke im Einzelfall erkennst, haben wir dir weiter unten im Artikel zusammengestellt.

Beliebte chinesische Uhren

Welche die besten China-Uhren sind, entscheidet vor allem das Budget. Im untersten Segment bekommst du ein Quarzwerk in einem Legierungsgehäuse, eine Preisklasse darüber eine Automatik mit Saphirglas und japanischem Kaliber. Die folgenden Blöcke gehen diese Stufen der Reihe nach durch: erst die Einstiegsmarken, dann die Hommagen, zuletzt die Uhren mit eigenem mechanischem Werk.

Lige Uhren

Lige steht mit Binlun, Skmei und Curren für das unterste Preissegment: Quarzuhren mit großem Zifferblatt, Chronographen-Optik und meist ohne echte Stoppfunktion. Typisch sind Gehäuse aus Edelstahl oder Zinklegierung, Mineralglas und eine Wasserdichtigkeit von 3 ATM, die für Regen und Spritzwasser reicht, nicht aber zum Schwimmen. Hinter der Marke steht die Guangzhou Lige Watch Co., Ltd. im Bezirk Panyu, die praktisch ausschließlich online verkauft.

Kaliberbezeichnungen nennen diese Marken nicht, und das ist kein Versehen: In dieser Preisklasse wechselt der Zulieferer eines Werks von Charge zu Charge. Was du bekommst, steht deshalb nur im Datenblatt der konkreten Referenz.

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Binlun Uhren

Binlun ist ein Sonderfall, den man kennen sollte, bevor man sucht: Im deutschen Handel ist die Marke fast ausschließlich mit Uhrenarmbändern, Faltschließen und Zubehör vertreten. Uhren führt Binlun zwar, aber nur vereinzelt. Wer nach „Binlun Uhren“ sucht, landet deshalb in aller Regel bei Ersatzarmbändern.

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Burei Uhren

Burei besetzt die Nische der besonders flachen, schlichten Quarzuhren und ergänzt sie um einzelne Automatikmodelle. Die Kollektion zielt auf ein klassisches Bild vom Zifferblatt, nicht auf Hommagen.

BUREI Herrenuhr

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Pagani Uhren

Pagani Design ist die bekannteste Hommage-Marke aus Shenzhen. Wie Megir, Parnis und Cadisen übernimmt sie Gestaltungsideen bekannter Luxusuhren, verwendet aber den eigenen Markennamen. Das unterscheidet eine Hommage von einer Fälschung, die mit fremdem Logo antritt.

Bemerkenswert ist bei diesen Marken das Innenleben: Die Automatikwerke stammen überwiegend nicht aus China, sondern aus Japan. Pagani Design verbaut häufig das Seiko NH35, Cadisen setzt auf Miyota-Kaliber wie das 8285, und auch Parnis greift auf japanische Werke zurück. Das Kaliber steht in diesen Fällen sogar im Produkttitel, ein Verkaufsargument, das die günstigen Modemarken nicht haben.

Pagani Design 1651 Herrenuhr Automatik NH35 Mechanische Uhr Edelstahl

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Cadisen Uhren

Cadisen bewegt sich eine Stufe über den Modemarken: mechanische Automatikuhren mit Miyota-Werk, Saphirglas und Edelstahlgehäuse, teilweise mit Gangreserveanzeige. Die Marke tritt zurückhaltender auf als Pagani Design und orientiert sich seltener an einem konkreten Vorbild.

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Feice Uhren

Feice ist die designorientierte Marke in dieser Runde. Die Kollektion arbeitet mit Bauhaus-Anleihen, gewölbtem Glas und eckigen Gehäusen und setzt bei den mechanischen Modellen auf Saphirglas.

FEICE Automatikuhr für Herren

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FEICE FM301 Unisex Eckig Mechanische Uhr Automatikwerk Ø34mm Schwarz

FEICE FM301 Unisex Eckig Mechanische Uhr Automatikwerk Ø34mm Schwarz

FEICE FM201 Unisex Uhr Mechanische Automatikwerk Lederarmband Ø38mm

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Sea-Gull Uhren

Sea-Gull ist die einzige Marke dieser Auswahl, die ihre mechanischen Werke selbst entwickelt und baut. Das erklärt den Abstand zu den übrigen Preisen: Bezahlt wird hier nicht ein Gehäuse um ein zugekauftes Standardwerk, sondern eigene Uhrmacherei. Bekanntestes Modell ist die Neuauflage der 1963er Fliegeruhr mit dem Handaufzugschronographen ST1901.

SEA-Gull 1963 Internationale Ausgabe

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Seagull Herren Automatik Mechanische Uhr mit

Seagull Herren Automatik Mechanische Uhr mit Sekunden-Unterzifferblatt Business Lederarmband Analog Anzeige Armbanduhr 40mm 6075

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Achte bei dieser Reihe auf den Markennamen. Die 1963 wird von mehreren Anbietern nachgebaut, die dasselbe Sea-Gull-Werk einkaufen und es im Produkttitel nennen, ohne selbst Sea-Gull zu sein.

Wie erkenne ich, ob eine Uhr aus China kommt?

Bei Marken wie Tardima, Excellanc, Fabiani oder Cathay stellt sich früher oder später dieselbe Frage: Wer steckt dahinter? Eine allgemeine Antwort gibt es nicht, aber ein Verfahren, mit dem du es in wenigen Minuten selbst klärst.

1. Den Markeninhaber suchen, nicht den Fertigungsort

Die Marke gehört einer Firma, und die steht in einem Register. Für Deutschland recherchierst du im DPMAregister des Deutschen Patent- und Markenamts, für EU-weit eingetragene Marken über eSearch plus beim EUIPO. Beide nennen dir zu einer Wortmarke den Inhaber samt Anschrift. Das beantwortet nicht, wo gefertigt wird, aber es sagt dir, ob hinter dem europäisch klingenden Namen ein europäisches Unternehmen steht.

Umgekehrt gilt das genauso: Ein europäischer Firmensitz schließt eine Fertigung in Asien nicht aus. Oozoo etwa ist eine niederländische Marke, die zu ihren Produktionsstätten keine Angaben macht. Der Sitz beantwortet die Herkunftsfrage also nur zur Hälfte.

2. Das Impressum des Verkäufers lesen

Auf Amazon und in jedem Onlineshop sind die Angaben zum Anbieter Pflicht. Steht dort eine Adresse in Shenzhen oder Guangzhou, ist die Frage geklärt. Steht dort ein deutscher Händler, ist sie es nicht, denn der kann Ware jeder Herkunft verkaufen.

3. Das Werk als Indiz nehmen

Kaliberkürzel verraten die Herkunft: ST steht für Tianjin Sea-Gull, HZ für Hangzhou, SL für Peacock, PT für H.K. Precision. Japanische Werke heißen NH35, NH38 oder Miyota 8215 und 8285, Schweizer tragen Bezeichnungen wie ETA 2824 oder Sellita SW200. Nennt eine Uhr gar kein Kaliber, ist das selbst eine Auskunft: Dann handelt es sich fast immer um ein austauschbares Standardwerk aus dem Einstiegssegment.

4. Auch in einer Schweizer Uhr stecken chinesische Teile

Für die Bezeichnung „Swiss made“ müssen seit 2017 mindestens 60 Prozent der Herstellungskosten in der Schweiz anfallen. Die restlichen 40 Prozent dürfen aus jedem Land stammen, China eingeschlossen. Eine trennscharfe Grenze zwischen chinesischen und westlichen Uhren gibt es in der Zulieferkette deshalb nicht mehr.

Was dagegen selten hilft, ist die Aufschrift auf dem Gehäuseboden. Anders als bei Textilien besteht für Uhren in der EU keine allgemeine Pflicht zur Ursprungskennzeichnung. Fehlt ein „Made in“, ist daraus nichts zu schließen.

Marktbereiche chinesischer Uhrenmarken

Chinesische Uhren lassen sich in vier Bereiche einteilen, die kaum etwas miteinander zu tun haben, außer dem Herkunftsland.

Chinesische Billiguhren und Replikas

Der bekannteste Bereich, und der mit dem schlechtesten Ruf. Entwürfe von Rolex, TAG Heuer oder Breitling werden übernommen und unter eigenem Namen zu einem Bruchteil des Preises verkauft. Zu diesen Marken gehören Lige, Binlun, Burei, Megir, Pagani Design und Parnis.

Davon zu unterscheiden sind echte Fälschungen, die mit fremdem Markenlogo antreten. Sie sind in der EU nicht verkehrsfähig und werden vom Zoll eingezogen.

Chinesische Uhren im Luxusbereich

Hier geht es um Komplikationen, also um Funktionen jenseits von Stunde und Minute: ewiger Kalender, Tourbillon, Minutenrepetition, Emailzifferblätter. Etabliert haben sich in diesem Segment vor allem die drei großen Werke in Beijing, Tianjin und Shanghai.

Chinesische Vintage-Uhren

Neuauflagen von Modellen aus der Zeit vor der Quarzkrise. Besonders gefragt sind die mechanischen Chronographen der 1960er Jahre, allen voran die Sea-Gull 1963, ursprünglich eine Uhr für die Luftwaffe, die bis heute mit dem Kaliber ST1901 gebaut wird.

Chinesische White-Label- und Private-Label-Uhren

White-Label bezeichnet Serien, die ganz oder teilweise für westliche Marken gefertigt und dort unter deren Namen verkauft werden. Zu den Marken, die auf dieser Basis arbeiten, zählen Ingersoll, Invicta, Rotary, Stührling Original und Timex. Beim Private-Label geht es einen Schritt weiter: Der chinesische Hersteller fertigt nach den Vorgaben des Auftraggebers. Bekannte Adressen dafür sind Fiyta, Meigeer, Shenzhen Yonghao und Tian Wang.

Wer die Uhrwerke baut

Der Teil der Industrie, den man als Käufer nie sieht, ist der größte. Vier Adressen prägen den Markt für mechanische Werke:

  • Tianjin Sea-Gull: Kaliber der ST-Reihe, darunter das ST1901, ein Handaufzugschronograph in der Tradition des Schweizer Venus 175, und das ST2130 als Nachbau des ETA 2824-2.
  • Hangzhou Watch Movement Factory: Kaliber der HZ-Reihe, unter anderem in Uhren westlicher Marken.
  • Peacock in Dandong: Kaliber der SL-Reihe, ebenfalls mit einem ETA-2824-Nachbau im Programm.
  • H.K. Precision Technology: das PT5000, gefertigt in Shenzhen, ebenfalls ein ETA-2824-Klon.

Diese Nachbauten sind legal: Das ETA 2824-2 kam 1982 auf den Markt, die zugehörigen Patente sind längst abgelaufen. Wer ein chinesisches Werk in einer westlichen Uhr sucht, findet es oft hinter einer eigenen Bezeichnung. Beim britischen Hersteller Ingersoll etwa entspricht das Kaliber IN 219A einem Sea-Gull ST2551, das IN 520 einem Hangzhou HZ2350.

Entwicklung der chinesischen Uhrenindustrie

Chinas Uhrenindustrie ist jünger, als ihre Größe vermuten lässt. Bis in die 1950er Jahre konnte das Land Uhren reparieren, aber nicht bauen. Im Januar 1955 nahm die Tianjin Watch Factory mit vier Handwerkern die Arbeit auf und fertigte im selben Jahr die erste chinesische Armbanduhr, die „Fünf Sterne“. 1965 folgte das Kaliber ST5, das erste Werk, das vollständig in China entworfen und gebaut wurde. Den Markennamen Sea-Gull trägt der Betrieb erst seit 1992.

Von den staatlich geführten Fabriken über die Jointventures der Reform-Ära bis zum Direktversand von heute zeigt der Weg, wie schnell sich diese Industrie umstellen kann. Der Trend geht seit Jahren in dieselbe Richtung: mehr Qualität bei gleichbleibendem Preisvorteil. Angegriffen wird damit zuerst die ausländische Konkurrenz auf dem eigenen Markt, auf dem bislang vor allem Hersteller aus der Schweiz und aus Deutschland vom guten Ruf ihrer Herkunft profitierten.

Korruption und staatliche Einflüsse auf chinesische Uhren

Die Antikorruptionskampagne, die die chinesische Führung ab 2012 führte, traf den Luxusuhrenabsatz unmittelbar. Teure Uhren an den Handgelenken von Funktionären waren zum Beweisstück geworden: In der Sammlung eines 2013 verurteilten Justizfunktionärs aus der Provinz Anhui fand sich unter anderem eine Patek Philippe im Wert von rund einer Million Euro. Uhren als Geschenk wurden daraufhin unüblich, der Absatz westlicher Luxusmarken in China brach ein. Zusammen mit den hohen Einfuhrabgaben auf Luxusgüter half das den heimischen Marken. Besser wurden sie dadurch nicht, aber die Konkurrenz verlor an Boden.

Im Jointventure auf der Jagd nach Know-how

In der Reform-Ära der 1980er Jahre durften chinesische Uhrenhersteller in Sonderwirtschaftszonen erstmals Gemeinschaftsunternehmen mit westlichen Firmen bilden. Daraus entstanden 1984 Rossini, 1987 Fiyta und 1991 Ebohr.

Rossini und Ebohr gehören heute zur Citychamp Watch & Jewellery Group aus Hongkong, bis zur Umbenennung als China Haidian bekannt. Der Konzern kaufte ab 2011 auch im Westen ein: die Schweizer Manufaktur Eterna, 2013 Corum und 2014 die britische Dreyfuss Group mit der Marke Rotary. Corum ist seit dem 30. April 2025 wieder in Schweizer Besitz, nachdem ein Management-Buy-out unter Führung des bisherigen Vertriebsleiters die Marke aus dem Konzern gelöst hat. Eterna und Rotary blieben bei Citychamp.

Der Zugewinn an Fertigungswissen kam über mehrere Wege zugleich:

  • Nachbau von Uhren und Uhrwerken, deren Patente abgelaufen sind.
  • Gemeinschaftsunternehmen westlicher und chinesischer Firmen.
  • Nach China ausgelagerte Zulieferindustrie westlicher Hersteller.
  • White- und Private-Label-Fertigung im Auftrag westlicher Marken.
  • Aufkauf westlicher Uhrenfabrikanten.

Chinesische Luxusuhren auf dem Vormarsch

Vier Namen zeigen, wie weit das obere Ende der chinesischen Uhrmacherei reicht. Es geht hier um Komplikationen und Preise, die mit dem deutschen Amazon-Angebot nichts mehr zu tun haben.

Seagull Watches

Sea-Gull baut seit 2005 ein eigenes Tourbillon, seit 2006 ein Doppeltourbillon, dazu Werke mit Wecker, Minutenrepetition und ewigem Kalender. Damit beherrscht der Betrieb aus Tianjin die Disziplinen, die in Europa als Königsklasse gelten, und verlangt dafür einen Bruchteil dessen, was Schweizer Häuser aufrufen. Das hat in der Branche für einige Unruhe gesorgt.

Im deutschen Onlinehandel findest du diese Komplikationen allerdings kaum. Was hier ankommt, sind die einfacheren Automatik- und Chronographenmodelle, die weiter oben stehen.

Peacock Watch Company

Die Liaoning Peacock Watch Company in Dandong gehört zu den acht Uhrenfabriken, die in den 1950er Jahren gegründet wurden. Wie die anderen begann sie mit Werken auf Basis Schweizer und sowjetischer Vorbilder und verbesserte in den frühen 1980er Jahren das chinesische Standardkaliber. Erst diese Werke liefen unter dem Namen Peacock, auch im Export.

Auch bei Peacock verschiebt sich der Schwerpunkt zu höheren Komplikationen, vor allem zu Tourbillons. Die Werke sind gut genug für den Export in die Schweiz: Die Marke Cecil Purnell soll ein Peacock-Rohwerk für eine ihrer Modellreihen verwendet haben.

Memorigin

Memorigin sitzt in Hongkong und baut ausschließlich Tourbillonuhren. William Shum gründete die Marke 2011 im Alter von 25 Jahren, nachdem er in der Fabrik seines Vaters in Hangzhou gesehen hatte, dass sich der Mechanismus dort fertigen ließ. Sein erklärtes Ziel war ein bezahlbares Tourbillon, eine Komplikation, die westliche Hersteller im fünf- bis sechsstelligen Bereich anbieten, bei Memorigin dagegen in einer mittleren Preisklasse.

CIGA Design

CIGA Design aus Shenzhen kommt nicht über Komplikationen, sondern über Gestaltung. Der Designer Zhang Jianmin gründete die Marke 2012. Seither hat sie mehrere Red-Dot-Auszeichnungen gesammelt. 2021 gewann das Modell Blue Planet Titanium den Challenge-Preis beim Grand Prix d’Horlogerie de Genève. CIGA Design steht damit als erste chinesische Marke auf der Gewinnerliste des wichtigsten Uhrenpreises.

Damit ist der Abstand zur Schweizer Uhrmacherei nicht aufgehoben, aber die Frage hat sich verschoben. Sie lautet nicht mehr, ob China gute Uhren bauen kann, sondern welche der vielen Marken es tatsächlich tut.

Kurz & knapp

Häufige Fragen zu chinesischen Uhrenmarken

Welche chinesischen Uhrenmarken gibt es?

Im Einstiegssegment sind Lige, Binlun, Skmei und Curren verbreitet, bei den Hommage-Uhren Pagani Design, Megir, Parnis und Cadisen. Als Manufakturen gelten Sea-Gull aus Tianjin, die Beijing Watch Factory, Shanghai, Peacock aus Liaoning sowie Memorigin und CIGA Design. Dazu kommen die Konzernmarken Rossini, Ebohr und Fiyta, die vor allem den chinesischen Binnenmarkt bedienen.

Wo werden Lige Uhren hergestellt?

Hinter der Marke steht die Guangzhou Lige Watch Co., Ltd. mit Sitz im Bezirk Panyu in der Provinz Guangdong. Entwickelt und gefertigt wird dort, vertrieben wird überwiegend online. Ein europäischer Firmensitz existiert nicht, auch wenn einzelne Händler das anders darstellen.

Sind chinesische Uhren gut?

Das hängt allein vom Segment ab. Eine Quarzuhr aus dem untersten Preisbereich hat ein Gehäuse aus Legierung, Mineralglas und einen einfachen Antrieb. Marken wie Pagani Design oder Cadisen verbauen dagegen Saphirglas, Edelstahl und japanische Automatikwerke von Seiko oder Miyota. Und Sea-Gull baut seit 2005 eigene Tourbillons. Die Herkunft sagt deshalb wenig, die Datenblätter der konkreten Referenz sagen alles.

Woran erkenne ich, ob eine Uhr aus China kommt?

Am zuverlässigsten über den Markeninhaber: Das Impressum des Verkäufers und ein Blick ins Markenregister von DPMA oder EUIPO nennen die Firma hinter dem Namen. Ein zweites Indiz ist das Werk, denn Kaliberkürzel wie ST, HZ oder SL stammen aus chinesischer Fertigung. Die Angabe „Made in“ fehlt bei Uhren dagegen häufig ganz.

Gibt es chinesische Luxusuhren?

Ja. Die Beijing Watch Factory baut Tourbillons, Doppeltourbillons und Minutenrepetitionen, Peacock liefert Tourbillonwerke, und Memorigin aus Hongkong hat sich ganz auf diese Komplikation festgelegt. 2021 gewann CIGA Design als erste chinesische Marke einen Preis beim Grand Prix d’Horlogerie de Genève.

Werden Schweizer Uhren in China gefertigt?

Teilweise. Für die Bezeichnung „Swiss made“ müssen seit 2017 mindestens 60 Prozent der Herstellungskosten in der Schweiz anfallen. Komponenten aus China sind dabei zulässig. Umgekehrt gehören mehrere Schweizer und britische Marken zu chinesischen Konzernen, etwa Eterna und Rotary zur Citychamp-Gruppe.