Ingersoll ist eine traditionsreiche amerikanische Uhrenmarke, die heute mechanische Automatikuhren mit sichtbarer Unruh anbietet. Hier steht, was in diesen Uhren steckt, wem die Marke inzwischen gehört und welche Modellreihen es gibt.
Der Name Ingersoll steht für eine der erfolgreichsten Uhren der Geschichte. Die Dollar Watch machte um 1900 die Taschenuhr für jedermann bezahlbar, und die erste Mickey-Mouse-Uhr kam ebenfalls von dieser Marke. Mit diesem Unternehmen hat die heutige Ingersoll allerdings nur den Namen gemeinsam.
Ingersoll Uhren im Überblick
Das aktuelle Programm besteht fast vollständig aus Automatikuhren, bei denen ein Ausschnitt im Zifferblatt den Blick auf die Unruh freigibt. Die Gehäuse messen meist 40 bis 47 Millimeter, dazu kommen Lederbänder, Milanaisebänder und Stahlarmbänder.
Ingersoll 1892 The Jazz für Herren 42mm Automatikuhr mit Mondphasen mit silberfarbenem Skelett Zifferblatt und silberfarbenem Edelstahlband I07710
Ingersoll Die Maverick 48 mm automatische Herrenuhr mit schwarzem Zifferblatt und schwarzem Lederarmband - I17401
Ingersoll The Baller 45 mm Automatic Herrenuhr mit schwarzem Skelettziffernblatt und silberfarbenem Edelstahl Armband I15002
Ingersoll The Naismith Herrenuhr 46 mm Automatikuhr mit schwarzem Ziffernblatt und schwarzem Lederarmband I16101
Ingersoll The Catalina Herren-Automatikuhr, 47 mm, in Blau mit Analoganzeige und silbernem Edelstahlarmband I11801.
Ingersoll The Michigan I01107 Herren Automatikuhr
Was in einer Ingersoll steckt
Die Frage nach der Qualität lässt sich bei dieser Marke ziemlich genau beantworten, weil die verbauten Uhrwerke dokumentiert sind. Nur eben nicht vom Hersteller selbst.
Die Uhrwerke sind umbenannte chinesische Kaliber
Ingersoll vergibt eigene Kaliberbezeichnungen wie IN 219A, IN 419 oder IN 520. Dahinter stecken zugekaufte Werke von chinesischen Uhrenherstellern: Das IN 219A entspricht einem Seagull ST2551 mit 25 Steinen, das IN 520 einem Hangzhou HZ2350 mit 20 Steinen, das IN 419 einem Hangzhou 2189. Bei den teureren Modellen kommen auch Werke von Miyota vor.
Das sind solide Massenwerke, wie sie in dieser Preisklasse üblich sind. Sie laufen zuverlässig, sind reparierbar und erreichen eine Ganggenauigkeit, die im Alltag genügt. Eine Chronometerprüfung, eine feine Regulierung oder ein Manufakturwerk bekommt man dafür nicht.
Auffällig ist etwas anderes: In den Produktbeschreibungen des Herstellers steht kein einziges Kaliber. Wer wissen will, was in seiner Uhr arbeitet, muss in Uhrwerksdatenbanken nachsehen. Das ist der Hauptgrund, warum die Marke in Foren regelmäßig kritisch diskutiert wird.
Open Heart ist kein Tourbillon
Der sichtbare Ausschnitt im Zifferblatt heißt im Handel Open Heart und zeigt die schwingende Unruh. Er wird gelegentlich mit einem Tourbillon verwechselt, auch in Angebotstexten von Händlern.
Ein Tourbillon ist etwas anderes: ein drehbarer Käfig, in dem Unruh und Hemmung gemeinsam rotieren, um Lagefehler auszugleichen. Es ist eine der aufwendigsten Konstruktionen im Uhrenbau und beginnt bei mehreren tausend Euro. Ingersoll führt kein Tourbillon im Programm.
Gehäuse, Glas und Wasserdichtigkeit
Die Gehäuse bestehen aus Edelstahl und fallen groß aus: 42 bis 47 Millimeter im Durchmesser sind die Regel, einzelne Modelle gehen bis 50 Millimeter, dazu kommen rund 14 Millimeter Bauhöhe. An einem schmalen Handgelenk trägt das deutlich auf.
Als Glas verbaut Ingersoll gehärtetes Mineralglas. Es hält alltägliche Berührungen aus, ist aber empfindlicher gegen Kratzer als das Saphirglas, das andere Marken in dieser Preisklasse inzwischen anbieten. Die Wasserdichtigkeit liegt meist bei 5 bar. Das genügt für Regen, Händewaschen und Duschen, zum Schwimmen oder Tauchen ist es nicht gedacht.
Lebenslange Garantie auf Verarbeitungsfehler
Ingersoll gibt auf seine Uhren eine lebenslange Garantie gegen Verarbeitungsfehler bei normalem Gebrauch. Das ist eine ungewöhnliche Zusage in dieser Preisklasse. Sie deckt Material- und Fertigungsmängel ab, nicht Verschleiß, Sturzschäden oder ein Uhrwerk, das nach Jahren eine Revision braucht.
Sind Ingersoll Uhren eine Wertanlage?
Eine Wertsteigerung sollte bei den aktuellen Automatikuhren niemand erwarten. Sie entstehen in großer Stückzahl, das Werk ist ein Standardkaliber, und beim Wiederverkauf verhalten sie sich wie fast alle Gebrauchsuhren: Der Preis fällt.
Sammlerwert liegt in der Geschichte der Marke. Gesucht sind die frühen Taschenuhren, allen voran die Yankee, und die Mickey-Mouse-Uhren aus den 1930er Jahren in gutem Zustand mit Originalverpackung. Wer in mechanische Uhren investieren will, findet die Argumente dafür in unserem Beitrag zu Luxusuhren als Wertanlage.
Die aktuellen Modellreihen
Ingersoll benennt seine Reihen nach amerikanischen Orten und Begriffen. Die Namen wechseln häufiger als bei anderen Marken, ältere Serien wie Bison oder Grand Canyon sind aus dem Handel verschwunden. Diese drei Reihen sind derzeit am besten lieferbar.
The Jazz
Die Jazz ist die klassischste Reihe im Programm: 42 Millimeter, Automatik mit Mondphasenanzeige und offener Unruh, wahlweise mit Leder- oder Stahlband.
Ingersoll The Jazz 42 mm Automatik-Mondphasenuhr für Herren mit silbernem Skelett-Zifferblatt und blauem Echtlederarmband I07702
- 42 mm Gehäusedurchmesser
- Automatikwerk mit offener Unruh
- Mondphasenanzeige
- Lederarmband
Affiliate Links Bildquelle: Amazon Partnerprogramm
Zum AngebotThe Michigan
Die Michigan fällt durch ihr großes Gehäuse und das weit geöffnete Zifferblatt auf. Sie gehört zu den auffälligeren Modellen der Marke.
Ingersoll The Michigan I01107 Herren Automatikuhr
Ingersoll Michigan Herren-Automatikuhr mit offenem Herz-Zifferblatt und Lederarmband, 45 mm, braun/beige, Klassisch
Ingersoll The Michigan Herren-Automatikuhr, 45 mm, mit silbernem Open-Heart-Zifferblatt und schwarzem Echtlederarmband I01105
The Herald
Die Herald ist mit 40 Millimetern die kleinste der großen Reihen und am stärksten skelettiert: Hier ist nicht nur die Unruh sichtbar, sondern ein großer Teil des Werks.
Ingersoll The Herald Herren-Automatikuhr, 40 mm, mit skelettiertem Zifferblatt und echtem Lederarmband I00401B
Ingersoll The Herald Herren-Automatikuhr, 40 mm, mit skelettiertem Zifferblatt und echtem Lederarmband I00402B
Ingersoll The Herald Herren-Automatikuhr, 40 mm, mit skelettiertem Zifferblatt und Edelstahlarmband I00405B
Wenn dich die durchbrochene Bauweise grundsätzlich interessiert, lohnt unser Überblick zu Skelettuhren.
The Challenger
Die Challenger gibt es in zwei Gehäusegrößen, 42 und 45 Millimeter. Sie ist die sportlichste der großen Reihen, mit kräftiger Lünette und wahlweise geschlossenem oder skelettiertem Zifferblatt.
Ingersoll The Challenger 42 mm Automatic Herrenuhr mit blauem Ziffernblatt und blauem PU Armband I12308
Ingersoll 1892 The Challenger Herren-Automatikuhr, 45 mm, mit schwarzem/silbernem Zifferblatt und schwarzem PU-Kunststoffarmband I12301
Ingersoll The Challenger Herren-Automatikuhr, 42 mm, mit schwarzem Sleketon-Zifferblatt und schwarzem PU/Alcantara-Armband
Kleinere Reihen und Einzelmodelle
Neben den vier großen Reihen führt Ingersoll eine Reihe kleinerer Serien, die meist nur mit ein bis zwei Modellen im deutschen Handel stehen. Die Catalina ist mit 47 Millimetern die größte davon, die Ollie mit 42 Millimetern eine der kompakteren. Dazu kommen Baller und Play mit 45 Millimetern, Naismith und Spirit mit 46 Millimetern sowie die Maverick mit 48 Millimetern.
Ingersoll The Ollie Herren-Automatikuhr, 42 mm, mit skelettiertem Zifferblatt und silbernem Edelstahlarmband
Ingersoll The Play 45 mm Automatic Herrenuhr mit schwarzem Skelettziffernblatt und schwarzem PU Armband I15301
Ingersoll The Spirit Herrenuhr 46.7 mm Automatikuhr mit schwarzem Ziffernblatt und schwarzem Lederarmband I15801
Die Reihennamen wechseln bei dieser Marke häufiger als bei anderen. Wer ein bestimmtes Modell sucht, sollte deshalb eher nach der Referenznummer gehen, die bei Ingersoll mit einem I beginnt, etwa I07701 für eine Jazz.
Ingersoll Damenuhren
Im deutschen Handel sind Ingersoll Damenuhren derzeit kaum noch zu bekommen. Das Angebot besteht fast vollständig aus Herrenuhren ab 40 Millimetern. Im Programm waren zuletzt diese Reihen:
- Shawnee: die mechanische unter den Damenreihen, Automatik mit offener Unruh und Lederband (Referenzen IN1318R…).
- Union: flache Quarzuhren mit schlichtem Zifferblatt, meist am Lederband (ID005…).
- Disney: Quarzuhren mit lizenzierten Motiven, die Fortsetzung der historischen Mickey-Mouse-Linie (DIN00…).
- Dazu einzelne Quarzmodelle und Chronographen ohne Reihennamen, erkennbar an Referenzen wie I03901 oder I03902.
Wer eine kleinere mechanische Uhr sucht, wird bei anderen Marken eher fündig. Wer die Modelle gebraucht sucht, findet sie über diese Referenznummern.
Die Geschichte: von der Dollar Watch zur Mickey Mouse
Robert Hawley Ingersoll gründete 1882 mit 21 Jahren zusammen mit seinem Bruder Charles Henry ein Versandhandelsgeschäft in New York. Verkauft wurden zunächst Gummistempel und andere Kleinwaren. Die erste Uhr kam 1892 dazu, sie hieß Universal und war im Grunde eine kleine Uhr im Taschenuhrgehäuse. Gebaut hat sie die Waterbury Clock Company. Ingersoll war ein Handelshaus, keine Manufaktur.
Die Uhr für einen Dollar
1896 brachten die Brüder die Yankee heraus und setzten den Preis auf einen Dollar, damals etwa ein Tageslohn. Sie war ohne Steine gebaut, aus gestanzten Teilen, und damit die billigste Uhr am Markt. Der Erfolg war gewaltig: 1899 fertigte Waterbury 8.000 Stück am Tag, 1910 schon 3,5 Millionen im Jahr. In zwei Jahrzehnten wurden rund 40 Millionen Dollar-Uhren verkauft.
Getragen wurde sie überall. Belegt ist, dass Theodore Roosevelt eine Ingersoll auf seine Afrika-Expedition mitnahm. Die Marke selbst führt eine lange Liste weiterer Prominenter, für die es keine unabhängigen Belege gibt.
Insolvenz, Waterbury und Mickey Mouse
1921 ging das Unternehmen in der Nachkriegsrezession insolvent. Die Waterbury Clock Company, bis dahin Zulieferer, kaufte die Marke 1922 für 1,5 Millionen Dollar. Aus diesem Unternehmen ging später die Timex Group hervor.
Unter diesem Dach entstand 1933 die erste Mickey-Mouse-Armbanduhr im Auftrag von Disney. Sie wurde zum Verkaufsschlager: über fünf Millionen Stück in fünfzehn Jahren. Bis heute ist sie das bekannteste Stück der Markengeschichte, und die Uhren aus dieser Zeit sind gesuchte Sammlerstücke. Mehr dazu steht in unserem Beitrag über Micky-Maus-Uhren.
Wem die Marke heute gehört
1989 erwarb die britische Zeon Ltd die Rechte an dem Namen. Heute gehört Ingersoll zu Zeon Watches, einer Tochter der Hongkonger Herald Group, und wird in über 50 Ländern verkauft. Für die USA, Kanada und Mexiko hat 2018 die Timex Group die Vertriebslizenz übernommen. Damit ist die Marke nach fast hundert Jahren wieder bei den Nachfolgern von Waterbury gelandet.
Die Gestaltung entsteht in Großbritannien, gefertigt wird in Asien. Wer eine amerikanische Uhr sucht, findet die tatsächlichen Hersteller in unserer Übersicht amerikanischer Uhrenmarken.
Häufige Fragen zu Ingersoll Uhren
Ist Ingersoll eine gute Uhrenmarke?
Für ihren Preis bekommt man bei Ingersoll eine mechanische Automatikuhr mit sichtbarer Unruh und einer auffälligen Gestaltung. Die Werke sind umbenannte chinesische Kaliber, meist von Seagull oder Hangzhou. Wer ein Schweizer Manufakturkaliber oder eine hohe Ganggenauigkeit erwartet, sucht in einer anderen Preisklasse.
Wo werden Ingersoll Uhren hergestellt?
Die Marke gehört heute der britischen Zeon Watches, einer Tochter der Hongkonger Herald Group. Entworfen wird in Großbritannien, gefertigt wird in Asien. Mit der ursprünglichen amerikanischen Produktion hat das Unternehmen seit 1922 nichts mehr zu tun.
Welches Uhrwerk steckt in einer Ingersoll?
Ingersoll vergibt eigene Kaliberbezeichnungen für zugekaufte chinesische Werke. Das IN 219A entspricht einem Seagull ST2551 mit 25 Steinen, das IN 520 einem Hangzhou HZ2350 mit 20 Steinen, das IN 419 einem Hangzhou 2189. In den Produktbeschreibungen des Herstellers stehen diese Angaben nicht.
Haben Ingersoll Uhren ein Tourbillon?
Nein. Was auf dem Zifferblatt sichtbar ist, ist eine offene Unruh, im Handel als Open Heart bezeichnet. Sie zeigt das schwingende Bauteil durch einen Ausschnitt. Ein Tourbillon ist ein drehbarer Käfig für Unruh und Hemmung und kommt in dieser Preisklasse nicht vor.
Sind Ingersoll Uhren eine Wertanlage?
Die aktuellen Automatikuhren nicht. Sie werden in großer Stückzahl gebaut und verlieren wie fast alle Gebrauchsuhren beim Wiederverkauf. Sammlerwert haben die historischen Stücke: die Dollar Watch Yankee und vor allem die Mickey-Mouse-Uhren der 1930er Jahre.
Wie lange hält die Gangreserve einer Ingersoll?
Je nach Werk laufen die Uhren rund 30 bis 40 Stunden ohne Bewegung weiter. Wer sie täglich trägt, muss nichts aufziehen. Nach ein bis zwei Tagen im Schrank bleibt die Uhr stehen und braucht Handaufzug über die Krone oder Bewegung.
Gibt es Ingersoll Damenuhren?
Ingersoll hat Damenmodelle im Programm gehabt, im deutschen Handel sind sie aktuell kaum noch zu bekommen. Das Angebot besteht fast vollständig aus Herrenuhren mit 40 bis 47 Millimetern Gehäusedurchmesser.
