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Mondphase

Mondphasenuhren: Wie sie funktionieren und wofür die Mondphasenanzeige nützlich ist


Der Mond übt eine ganz besondere Anziehungskraft auf uns aus. Mithilfe der Mondphasenuhr hat man stets den aktuell Stand des Mondes im Blick. Doch wozu ist das nützlich und wie funktionieren Mondphasenuhren?

In diesem Artikel erfährst du, was eine Mondphase ist, warum sie nützlich ist und wie eine Mondphasenuhr funktioniert. Dazu erfährst du hier, wie du die Mondphasenanzeige deiner Uhr richtig einstellen kannst und wo du erfährst, wann der nächste Vollmond ist. Hier erfährst du also alles, was du zu Mondphasenuhren wissen solltest.

Mondphasen für Jedermann

Mondphasen sind schon fast so lange auf Uhren dargestellt worden, wie es mechanische Uhren gibt. Während die heutigen Armbanduhren sehr flach konstruierte Mechanismen nötig machen, waren in Großuhren, die etwas anderes sein wollten als eine schlichte Turmuhr in einer Dorfkirche, seit frühester Zeit dreidimensionale Bewegungsapparaturen in Gebrauch, ähnlich eines Planetariums oder Lunariums. Solche astronomisch ausgestattete Großuhren waren bis zum 16. Jahrhundert in Ulm, Straßburg und Prag gebaut worden. Mit den ersten Armbanduhren in den 1920er Jahren kamen auch schon die ersten Mondphasenanzeigen auf. Die Koppelung an die Datumsanzeige macht die Aufgabe ja auch nicht wirklich schwierig.

Warum die Mondphase-Anzeige auf Uhren nützlich ist

Aber macht die Anzeige der Mondphase auf dem Zifferblatt Sinn, außer ein attraktives Dekorelement zu sein? Nun, es gibt Dinge, die mit dem Vorhandensein eines Vollmondes verknüpft werden.

  • Die Mondphase spielt eine Rolle bei Ebbe und Flut und wird somit interessant für die Vorhersage von Wasserständen, für den Zeitpunkt, wann Schiffe in See stechen können.
  • Dann gibt es Leute, die darauf schwören, dass die Mondphase ihren Gemütszustand beeinflusst. Manche sollen davon abhängig machen, wann sie ihre Haare schneiden lassen.
  • Der Mond soll auch auf die Natur Einfluss haben, daher werden Bäume häufig nur bei zunehmendem Mond gepflanzt.
  • Studien zufolge beeinflusst Vollmond die Schlafdauer (1), andere meinen einen Einfluss auf die weibliche Menstruation nachweisen zu können (2). Schlafwandeln scheint ja auch an Vollmond geknüpft zu sein, ohne dass der Zusammenhang wissenschaftlich bislang erklärt wäre.

Aber all das braucht dich nicht kümmern, wenn du nur ein gütig lächelndes Mondgesicht auf deiner Uhr wandern sehen willst.

Wie der Mondphasenkalender funktioniert

Wenn wir von Zeitmessung sprechen, meinen wir wie selbstverständlich immer die Berechnung einer kompletten Erddrehung in Relation zur Position der Sonne. Längerfristig in Kombination mit Ableitungen aus dem Solarjahr, oder dem Zeitraum, der zwischen einer kompletten Erdumkreisung der Sonne vergeht. Dieser kann weiter eingeteilt werden in Sonnenmonate, -wochen, -tage und letztlich Stunden, Minuten und Sekunden an einem solchen Erddrehung-Sonnentag. Weniger bekannt ist, dass es auch einen Lunarkalender gibt, mit einer anhängigen Zeitmessung, die sogar noch älter ist als der Solarkalender, einfach, weil der Mondverlauf um die Erde leichter zu beobachten und auszuwerten ist.

Fakt
Ein Lunarjahr ist elf Tage kürzer als ein Solarjahr, ein Lunarmonat mit einer vollen Periode der Mondphasen misst 29 Tage, zwölf Stunden, 44 Minuten und 2,9 Sekunden.

Der Islamische Kalender ist ein reiner Lunarkalender, der jüdische Kalender eine Mischform (Lunisolarkalender), während die in unserem Kulturraum gebräuchliche Solarkalendereinteilung im Ursprung der römische Julianische Kalender ist – in der reformierten Form des Gregorianischen Kalenders seit 1582 die meistverbreitete Zeitbemessungsgrundlage.

Mondphasenuhren und ihre Funktionsweise

Nun misst jedoch kaum eine Uhr ernsthaft den Tagesablauf unter alleiniger Verwendung des synodischen Mondes. Das wäre im Alltag völlig unpraktisch. Herkömmliche Uhren zeigen daher in prominenter Stellung den Solartag mit seinen 24 Stunden und allen abgeleiteten kleineren Zeiteinheiten. Aber die Anzeige des synodischen Mondes hat auf hochwertigen Uhren eine gewisse Renaissance erfahren als geschmackliches Accessoire. Wie wird das bewerkstelligt?

Da muss man wie so oft erst mal unterscheiden zwischen Quarzuhren und mechanischen Mondphasenuhren. In Quarzuhren finden rein elektronische Berechnungen statt, es ist also alles eine Frage der Programmierung, ob sie auch Mondphasen anzeigen können oder nicht.

Genialität im Räderwerk

Mechanische Mondphasenuhren müssen wie für ihr Solartag-Laufwerk Zahnrädchen einsetzen, um den Lunartag so genau wie möglich abzubilden. Und das tatsächlich ‚bildhaft‘, da dies meist geschieht, um eine Drehscheibe mit Mondabbildungen zu drehen, die in einem Sichtfenster teilweise ausgestellt wird.

Konstruktiv wird der Antrieb hinter dieser Drehscheibe mit einem Zahnrad gelöst, das 59 Zähne aufweist. Sie werden sehr langsam abgegriffen, nämlich jeden Solartag um gerade mal einen Zahn. Damit gelingt es dem Uhrmacher, einen synodischen Mond von 29,5 Solartagen (2x = 59) wiederzugeben.

Da fehlt doch etwas? Richtig, die 44 Minuten und 2,9 Sekunden fallen unter den Tisch. Aber das ergibt erst in drei Jahren eine Abweichung von etwa einem Tag. Manche Uhren müssen dann über einen Eingriff korrigiert werden, andere sind so komplex gebaut, dass sie die Korrektur selbstständig schaffen.

Der Antrieb des genannten 59-Zahnrades kann über das Stundenrad geschehen, das nach zwei vollen Durchläufen über einen Finger eingreifend das Mondphasenrad mit der Anzeigescheibe darüber um einen Zahn weiter tickt, unter Vermittlung eines Zwischenrädchens. Das wäre dann wohl gekoppelt mit der Datumsschaltung, die das selbe Intervall erfordert. Seltener sind Uhrenwerke mit 135 Zähnen für das Mondphasenantriebsrad, die dann nur noch alle 122 Jahre ein Wartungsintervall für den regulierenden Eingriff benötigen.

Die wandernde Bildscheibe der Mondphasenuhr

In der gebräuchlichsten Variante der Mondphasenuhr findest du eine unaufdringliche wie schmückende Darstellungsweise der Mondphasen auf deinem Zifferblatt. Dies geschieht durch eine bebilderte Drehscheibe, von der immer nur ein Teilbereich im Fenster sichtbar ist. Im Hintergrund ist oft ein dunkelblauer Sternenhimmel mit einigen Sternen zu sehen, die keine Bedeutung für die Zeitdarstellung haben. Genau gegenüber auf der Scheibe gibt es zwei Vollmonde, die, wenn einer davon in der Mitte des Sichtfensters zu sehen ist, eben Vollmond anzeigen.

Der untere Rand des Kreisausschnittes dieses Sichtfensters ist fast nie als gerade Kante, sondern mit Wölbungen geschnitten. Das ist kein Dekorationsdetail, sondern hat seinen Sinn. Man nennt diese Wölbungen, wovon mindestens zwei gebraucht werden, die sich gegenüberliegen; Busen. Sie repräsentieren die Erdkontur, wie sie beim Darstellen von Mondsicheln gebraucht wird, um den Mond teilweise zu verdecken.

Abnehmenden oder zunehmenden Mond als Mondphasen siehst du also dargestellt per entsprechend darüberliegender Abdeckung per Buse. Ist gar kein Mond im Fenster zu sehen, ist gerade Neumond‘. Das heißt, der Mond liegt komplett im Schatten und kann von deiner Position auf der Erde aus nicht gesehen werden. Die Busenanzeige ist durch ihre schleichenden Übergänge des sichtbaren Mondanteils eine recht elegante Umsetzung natürlicher Beobachtung. Es gibt aber auch andere Darstellungsweisen.

Andere Darstellungsarten neben dem Sichtfenster

Mal abgesehen von Uhren, die neben dem Mond auch noch die Sonne im selben Sichtfenster-Kreisausschnitt wandern haben (was lediglich zur Anzeige, ob wir Tag oder Nacht haben, taugt, und somit zu den optischen Gimmicks gehört), kann der synoptische Mond über eine eigene Komplikation in Form eines kleinen integrierten Zifferblattes gewürdigt werden; auf einer Radialanzeige. Etwa dort, wo andere Uhren ein kleines Sekundenzeigerfeld auf Sechs-Uhr-Position zeigen, hat die Mondphasenuhr mit Radialanzeige einen Zeiger laufen, der auf diverse Darstellungen von Mondphasen weist. Das bedeutet, diese sind alle gleichzeitig sichtbar. Auch hier gibt es zwei gegenüberliegende Vollmonde, über die der Zeiger huscht, dazwischen diverse Mondsicheln und Sternfelder für die Phasen (des Neumondes), wenn kein Erdtrabant am Himmel zu sehen ist, weil die Sonne seine uns abgewandte Seite beleuchtet. Du siehst also hier nicht die Symbolbilder wandern, sondern einen Zeiger darüber.

Die Quantieme Perpetuel Eclipse Ivory Enamel von Jaquet Droz hat eine feststehende Mondscheibe, über die eine Kelle gehalten wird, die ihn ganz, teilweise oder gar nicht abdeckt, je nach Mondphase.

Auf der Paul Gerber Ref. 336 hast du an ungewöhnlicher Stelle, in der oberen linken Ecke des Zifferblattes, ein Sichtfenster, hinter welchem sich tatsächlich ein dreidimensionales Möndchen von 6 mm Durchmesser dreht und dir so die Mondphase verdeutlicht.

Um auf der Richard Lange Ewiger Kalender Terraluna die ausgefallene Methode zur Präsentation des synoptischen Mondes zu sehen, muss man die Uhr vom Armgelenk abschnallen und umdrehen, denn sie befindet sich hinter dem Glasboden des Gehäuses. Hierunter siehst du auf einer großen Scheibe eine nördliche Erdhemisphäre in der Mitte und die Kombination einer Mondposition relativ zur Erde mit der aktuellen Phase, was über eine zweite Scheibe darunter bewerkstelligt wird. Der umgebende Sternenhimmel sieht zudem so realistisch aus, als erlaube er die Identifikation von Sternbildern am Nachthimmel.

Mondphasen sind auch nicht überall gleich

Wir dürfen nicht vergessen, dass die Mondphasenuhr fast immer auf Erscheinungen des Mondes über der nördlichen Erdhalbkugel ausgerichtet ist. Auf der Südhalbkugel decken sich diese Beobachtungen nicht mit denen der nördlichen Hemisphäre. Aber es gibt seltene Fälle, in denen eine Mondphasenuhr als echter Kosmopolit beide gleichzeitig abzubilden versucht – wie die Tonda 1950 Lune von Parmigiani Fleurier dies tut.

Sie arbeitet mit der Busen-Sichtfenster-Methode, nur gibt es hier gleich zwei Sichtfenster übereinander. Somit ist der seltene Fall eingetreten, dass beide Mondsymbole auf der Drehscheibe gleichzeitig zu sehen sind, einmal bezogen auf N = Nordhalbkugel, das andere Mal bezogen auf S = Südhalbkugel. Nimmt auf der einen Seite der Mond zu, nimmt er auf der anderen ab, und umgekehrt. Wer nun hauptsächlich auf der Südhalbkugel unterwegs ist und nur eine Anzeige hat, sollte seine Mondphasenuhr so umstellen, dass sie die Phänomene hier richtig abbildet.

Die Mondphasenuhr richtig einstellen

Nachdem die Uhr stehengeblieben ist oder nicht mehr synchron mit der natürlichen Abfolge läuft, ist eine Korrektur erforderlich. Doch wie hat diese Umstellung zu erfolgen? Du solltest in dem Fall die Bedienungsanleitung deiner Uhr konsultieren, um zu sehen, ob du selbst die Mondphase einstellen kannst, oder es der Uhrenwerkstatt überlassen bleiben muss. Möglicherweise lautet die Anleitung so ähnlich wie diese:

  1. Ziehe die Krone heraus, wie es nötig ist, um das Datum (und die Mondphase) einzustellen.
  2. Stelle das Datum zurück auf den letzten bekannten Tag, als Vollmond herrschte. Welcher das war, sollte sich über das Internet herausfinden lassen aufseiten, die sich damit beschäftigen. So zum Beispiel hier.
  3. Dazu wird die Mondanzeigenscheibe so justiert, dass der Mond zentral und voll sichtbar im Fenster steht.
  4. Von diesem ermittelten Tag aus sind die seitdem vergangenen Tage zu ermitteln und mit Drehen an der Krone einzustellen, das wird wohl pro Tag eine fühlbare Kerbe sein.
  5. Mit Eindrücken der Krone in die Ruhestellung ist die Einstellung beendet.

Quellen
(1) www.science.org/doi/10.1126/sciadv.abe0465
(2) www.science.org/doi/10.1126/sciadv.abe1358

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