Der Name auf dem Zifferblatt und der Hersteller des Uhrwerks sind oft nicht identisch. Viele Uhrenmarken kaufen bewährte Kaliber bei ETA, Sellita, Miyota oder TMI ein. Andere entwickeln eigene Werke. Diese Übersicht zeigt, welche Hersteller hinter den bekannten Kalibern stehen, wo ihre Stärken liegen und worauf du bei der Auswahl achten solltest.

Der Werkname verrät die Konstruktion und hilft dabei, Wartung und Ersatzteillage einzuschätzen. Dabei bezeichnet das Uhrwerk den gesamten Antrieb einer Uhr, das Kaliber dagegen die konkrete Konstruktion oder Werkreferenz, beispielsweise ETA 2824-2. Dasselbe Grundkaliber kann in verschiedenen Ausführungen angeboten, von der Uhrenmarke nachreguliert oder um zusätzliche Funktionen ergänzt werden. Bei hauseigenen Werken führt die technische Eigenständigkeit zudem häufig zu einem aufwendigeren Service als bei weit verbreiteten Standardkalibern.

Wie der Rotor einer Automatikuhr die Zugfeder spannt und was sie vom Handaufzug unterscheidet, erklären wir ausführlich in unserem Ratgeber zu Automatikuhren.

Uhrwerke-Hersteller im Überblick

Die folgende Übersicht konzentriert sich auf Hersteller, deren Werke regelmäßig in heute erhältlichen Armbanduhren auftauchen. Historische Namen wie Lemania und Valjoux ordnen wir im Anschluss ein.

HerstellerHerkunftSchwerpunktBekannte Kaliber
ETASchweizMechanik und Quarz2824-2, 2892-A2, 7750
SellitaSchweizMechanische WerkeSW200-1, SW300-1, SW500
La Joux-PerretSchweizMechanik und SpezialwerkeG100, L100
RondaSchweizQuarzwerke, neue Mechanik515, 715, R01
STPSchweizMechanische WerkeSTP1-11
MiyotaJapanMechanik und Quarz8215, 9015, 9075
TMIJapan und MalaysiaMechanik und QuarzNH34, NH35, NH36, VK63
Orient / EpsonJapanMechanische Werke für eigene UhrenF6-Familie
Sea-GullChinaMechanik und ChronographenST1901, ST2130

Die Tabelle ordnet Herkunft und typischen Einsatz der Hersteller. Für die Wahl des Werks kommen Regulierung und Wartbarkeit hinzu. Ein einfaches Werk in einer sauber montierten Uhr kann im Alltag zuverlässiger sein als ein aufwendigeres Kaliber, für das sich später nur schwer Ersatzteile oder ein geeigneter Uhrmacher finden lassen.

Welche Uhrwerke sind empfehlenswert?

Das passende Uhrwerk hängt vom Einsatzzweck, dem Budget und den gewünschten Funktionen ab. Die bekannten Kaliber lassen sich deshalb am sinnvollsten nach ihren jeweiligen Stärken einordnen.

  • Für eine robuste und günstige Automatikuhr: Seiko NH35 und Miyota 8215 sind einfache Großserienwerke. Sie lassen sich von Hand aufziehen und besitzen in ihren aktuellen Ausführungen einen Sekundenstopp.
  • Für ein flacheres Gehäuse: Miyota 9015 und 9039 bauen mit 3,9 Millimetern deutlich flacher als das 8215 und arbeiten mit 28.800 Halbschwingungen pro Stunde.
  • Für einen bewährten Schweizer Standard: Sellita SW200-1 und ETA 2824-2 sind weit verbreitete Dreizeigerwerke. Viele Uhrmacher kennen die Konstruktionen und ihre typischen Verschleißpunkte.
  • Für eine längere Gangreserve: Das La Joux-Perret G100 bietet nach Herstellerangabe 68 Stunden und passt in viele Konstruktionen, die für ETA 2824-2 oder Sellita SW200 ausgelegt sind.
  • Für einen mechanischen Chronographen: ETA 7750 und Sellita SW500 sind automatische Klassiker. Das Sea-Gull ST1901 ist eine günstigere Konstruktion mit Handaufzug und Schaltrad.
  • Für eine echte GMT-Funktion: Beim Miyota 9075 lässt sich der lokale Stundenzeiger separat verstellen. Das ist auf Reisen praktischer als ein GMT-Werk, das nur den zusätzlichen 24-Stunden-Zeiger unabhängig bewegt.

Zwei Uhren mit demselben Kaliber können unterschiedlich genau laufen. Regulierung, Einbaulage und Qualitätskontrolle der Uhrenmarke beeinflussen das Ergebnis am Handgelenk.

Schweizer Uhrwerke: ETA, Sellita, Ronda und Co.

Schweizer Werke genießen einen guten Ruf, weil sich einige Kaliber über Jahrzehnte bewährt haben und ein dichtes Netz an Uhrmachern mit ihnen vertraut ist. Die Herkunft beschreibt dabei den Produktionsanteil in der Schweiz. Präzision und Dekoration hängen von der konkreten Ausführung ab. Welche Häuser die Werke in ihren Uhren einsetzen oder eigene Kaliber bauen, zeigen wir bei den Schweizer Uhrenmarken.

ETA Uhrwerke

ETA gehört zur Swatch Group und fertigt mechanische sowie quarzgesteuerte Werke. Das ETA 2824-2 ist eines der bekanntesten automatischen Dreizeigerkaliber. Es misst 4,6 Millimeter in der Höhe, arbeitet mit 28.800 Halbschwingungen pro Stunde und bietet laut ETA typischerweise 42 Stunden Gangreserve. Handaufzug und Sekundenstopp gehören zur Ausstattung.

Das flachere ETA 2892-A2 wird häufig in höher positionierten Uhren oder als Basis für zusätzliche Module verwendet. Beim automatischen Chronographen ist das frühere Valjoux 7750 bis heute eine der wichtigsten Konstruktionen. Der historische Name Valjoux lebt heute innerhalb der ETA-Geschichte und der Kaliberbezeichnung weiter.

Was die ETA-Qualitätsstufen bedeuten: Beim ETA 2824-2 begegnen im Handel die Bezeichnungen Standard, Elaboré, Top und Chronomètre. Gemeint sind unterschiedliche Ausführungen desselben Grundkalibers. Die Abstufungen können sich je nach Kaliber und Lieferzeitraum unterscheiden; beim klassischen 2824-2 lassen sie sich so einordnen:

  • Standard ist die Grundausführung und wird in zwei Lagen reguliert.
  • Elaboré wird in drei Lagen reguliert und enger abgestimmt.
  • Top besitzt höherwertige Regulierkomponenten und wird in fünf Lagen reguliert.
  • Chronomètre bezeichnet eine Ausführung, deren Ganggenauigkeit als einzelnes Werk von der unabhängigen Schweizer Prüfstelle COSC zertifiziert wurde.

Die vier Bezeichnungen beschreiben Ausführungen eines gemeinsamen Grundkalibers. Eine sorgfältig regulierte Uhr mit einer einfacheren Stufe kann im Alltag sehr genau laufen. Bei einer hochwertigen Ausführung bleibt die Kontrolle der fertig montierten Uhr ebenso wichtig.

Die Junkers JUMO zeigt, was das ETA Valjoux 7750 von einem einfachen Dreizeigerwerk unterscheidet: Es treibt neben der Zeitanzeige auch einen mechanischen Chronographen an. Das macht Werk und Gehäuse aufwendiger, aber gerade deshalb ist die Uhr ein anschauliches Beispiel für den Schweizer Automatikklassiker.

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Mechanischer Fliegerchronograph mit Tachymeterskala, Saphirglas und verschraubtem Glasboden. Das ETA Valjoux 7750 ist hier nicht nur ein Name im Datenblatt, sondern bestimmt Aufbau und Charakter der Uhr.

  • ETA Valjoux 7750 Automatikwerk
  • 42 mm Durchmesser
  • 10 bar wasserdicht
  • 15 mm Gehäusehöhe

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Sellita Uhrwerke

Sellita ist ein eigenständiger Schweizer Werkefertiger. Das SW200-1 folgt derselben verbreiteten Bauform wie das ETA 2824-2. Laut technischer Dokumentation von Sellita besitzt es 26 Lagersteine, 41 Stunden typische Gangreserve, Handaufzug und Sekundenstopp. Sellita führt das Werk in den Ausführungen Elaboré, Top und Chronomètre.

Das flachere SW300-1 ist die verbreitete Alternative in der Bauklasse des ETA 2892-A2. Für automatische Chronographen bietet Sellita die SW500-Familie an. Wie eine Marke solche Zulieferwerke unter eigenen Kalibernamen einordnet, zeigt Edox: Dort arbeitet das SW200 unter anderem als Edox 80, das SW500 als Edox 098. Beim Vergleich zwischen ETA und Sellita geben die konkrete Ausführung, die Regulierung durch die Uhrenmarke und der angebotene Service den Ausschlag.

Weitere Schweizer Uhrwerke: La Joux-Perret, Ronda und STP

La Joux-Perret gehört zur Citizen-Gruppe, entwickelt und fertigt aber in der Schweiz. Das Automatikkaliber G100 verbindet die Abmessungen eines klassischen Schweizer Dreizeigerwerks mit 68 Stunden Gangreserve. Dadurch kann es für Marken interessant sein, die eine längere Laufzeit anbieten wollen, ohne ihr Gehäuse vollständig neu zu konstruieren.

Ronda ist vor allem für zuverlässige Schweizer Quarzwerke bekannt. Die Familien normtech und powertech finden sich in zahlreichen erschwinglichen Uhren. 2026 stellte das Unternehmen mit dem R01 wieder ein eigenes mechanisches Automatikkaliber vor. Da dieses Werk noch neu ist, fehlen bislang die langjährigen Erfahrungen, die bei ETA 2824-2 oder Sellita SW200-1 vorliegen.

STP steht für Swiss Technology Production und ist besonders durch das STP1-11 bekannt. Die Konstruktion gehört ebenfalls in die Klasse der Schweizer Dreizeigerwerke rund um das ETA 2824-2. Das Angebot ist im Markt jedoch deutlich weniger präsent als die Kaliber von ETA und Sellita.

Historische Uhrwerke von Lemania und Valjoux

Lemania und Valjoux werden in älteren Uhrenbeschreibungen häufig wie heutige unabhängige Hersteller genannt. Beide Namen sind vor allem für historische Chronographenwerke wichtig. Die von Lemania entwickelte CH27-Familie wurde zur Grundlage bedeutender Handaufzugschronographen. Lemania ging später in der Swatch Group auf und wurde mit Breguet verbunden.

Für Sammler ist diese Herkunft relevant. Beim Kauf einer aktuellen Uhr helfen die Namen aber nur, wenn auch die genaue Kaliberreferenz und ihre heutige Fertigung genannt werden.

Japanische Uhrwerke: Miyota, TMI und Orient

Japanische Hersteller beherrschen die industrielle Fertigung zuverlässiger Mechanik in großen Stückzahlen. Ihre Werke stecken nicht nur in Uhren der eigenen Konzerne, sondern auch in zahlreichen unabhängigen Marken und Microbrands.

Miyota Uhrwerke

Miyota gehört zur Citizen-Gruppe. Das Miyota 8215 ist ein günstiges und robustes Automatikkaliber mit Datum und rund 42 Stunden Gangreserve. Aktuelle Ausführungen bieten Handaufzug und Sekundenstopp. Mit 5,67 Millimetern baut es vergleichsweise hoch, und der einseitig aufziehende Rotor kann am Handgelenk hör- oder spürbar sein. Das freie Drehen in der Gegenrichtung gehört zu dieser Konstruktion.

Die Kaliber 9015 und 9039 gehören zur flacheren Premium-Automatikserie. Sie arbeiten mit 28.800 Halbschwingungen pro Stunde und erlauben schlankere Gehäuse. Das 9075 ergänzt eine GMT-Funktion, bei der sich der lokale Stundenzeiger unabhängig verstellen lässt. Deshalb sollte ein Datenblatt nicht nur „Miyota Automatik“ nennen, sondern immer die konkrete Kalibernummer.

Die Bulova Surveyor macht das Miyota 8215 in einer klassischen Alltagsuhr erlebbar. Das Werk ist kein technisches Schaustück, sondern ein bewährter Antrieb, mit dem Bulova ein facettiertes 39-Millimeter-Gehäuse und Saphirglas zu einem vergleichsweise zugänglichen Preis verbindet.

Bulova Surveyor Automatic Men's Watch
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Bulova Surveyor Automatic Men's Watch, Green Background, 96B429, Steel case and Bracelet

Klassische Automatikuhr mit grünem Sonnenschliff-Zifferblatt, Saphirglas und Edelstahlband. Ein gutes Beispiel dafür, wie Citizen das robuste Miyota 8215 innerhalb der eigenen Gruppe einsetzt.

  • Miyota 8215 Automatikwerk
  • 39 mm Durchmesser
  • 3 bar wasserdicht
  • 11,65 mm Gehäusehöhe

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TMI und Seiko Uhrwerke

TMI vertreibt Werke aus dem Umfeld der Seiko-Gruppe an andere Uhrenhersteller. Besonders verbreitet ist die NH-Familie. Das NH35 besitzt eine Datumsanzeige, das NH36 ergänzt den Wochentag und das NH34 einen zusätzlichen 24-Stunden-Zeiger für eine zweite Zeitzone. Alle drei arbeiten mit 21.600 Halbschwingungen pro Stunde, lassen sich von Hand aufziehen und besitzen einen Sekundenstopp.

Diese Werke gelten als robust und vergleichsweise günstig zu ersetzen. Das macht sie bei Microbrands beliebt. Die in Seiko-Uhren verwendeten 4R-Kaliber sind eng mit der NH-Familie verwandt, tragen aber Seikos eigene Bezeichnung. Höher positionierte Seiko-Uhren verwenden unter anderem Werke aus den Familien 6R, 8L oder 9S, die technisch nicht mit einem NH35 gleichgesetzt werden sollten. Mehr zur Marke steht in unserem Überblick über Seiko-Uhren.

Die Gigandet Sea Ground zeigt einen typischen Einsatz des NH35 außerhalb von Seiko: Das Werk sitzt hier in einer kräftigen Taucheruhr, bei der Robustheit und Wartbarkeit wichtiger sind als ein besonders flaches Gehäuse.

Gigandet Herrenuhr Automatik Analog mit Edelstahlarmband Sea Ground
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Gigandet Herrenuhr Automatik Analog mit Edelstahlarmband Sea Ground G2-002

Massive Taucheruhr mit verschraubter Krone, drehbarer Lünette und Edelstahlband. Das verbreitete NH35 passt zu diesem Konzept, weil es robust ist und von vielen Uhrmachern problemlos ersetzt werden kann.

  • TMI NH35 Automatikwerk
  • 43 mm Durchmesser
  • 30 bar wasserdicht
  • 15 mm Gehäusehöhe

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Orient und Epson Uhrwerke

Orient gehört zu Seiko Epson, entwickelt innerhalb des Konzerns aber eigene mechanische Werke. Die F6-Familie kommt unter anderem in Uhren von Orient und Orient Star zum Einsatz. Aktuelle Kaliber bieten üblicherweise Handaufzug und Sekundenstopp. Orient ist damit besonders für Käufer interessant, die ein hauseigenes Werk zu einem vergleichsweise niedrigen Preis suchen.

Chinesische Uhrwerke: Sea-Gull und weitere Hersteller

Die Bezeichnung „chinesisches Uhrwerk“ sagt wenig über die Qualität aus. In China entstehen einfache, kaum dokumentierte Werke ebenso wie technisch anspruchsvolle Chronographen und Tourbillons. Entscheidend sind Hersteller, Kaliber und die Qualitätskontrolle der Uhrenmarke.

Sea-Gull fertigt seit 1955 Uhrwerke und bezeichnet sich selbst als größten chinesischen Hersteller mechanischer Kaliber. Besonders bekannt ist das ST1901, ein Handaufzugschronograph mit Schaltrad. Seine Konstruktion geht auf Maschinen und Unterlagen des Schweizer Venus 175 zurück, die in den Sechzigerjahren nach China gelangten. Das automatische ST2130 ist ein klassisches Dreizeigerwerk mit Datum.

In der Sea-Gull 1963 lässt sich das ST1901 durch den Glasboden bei der Arbeit betrachten. Anders als die drei automatischen Beispiele zieht sich dieser Chronograph über die Krone auf. Gerade die offen sichtbaren Hebel, Räder und das Schaltrad erklären, warum das Werk unter Uhrenfreunden einen besonderen Ruf hat.

SEA-Gull 1963 Internationale Ausgabe
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SEA-Gull 1963 Internationale Ausgabe,ST1901 Uhrwerk,Mechanische Herrenarmbanduhr Luftfahrt Chronograph Fliegeruhren,Handaufzug (Gelb)

Neuinterpretation der chinesischen Fliegeruhr von 1963 mit mechanischem Chronographen und Glasboden. Das sichtbare ST1901 macht den Aufbau eines Handaufzugschronographen unmittelbar nachvollziehbar.

  • Sea-Gull ST1901 Handaufzugswerk
  • 38 mm Durchmesser
  • 3 bar wasserdicht
  • ca. 15 mm Gehäusehöhe

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Auch Hangzhou und Peacock produzieren mechanische Werke. Ihre Kaliber werden bei westlichen Angeboten allerdings nicht immer klar benannt. Ohne Kalibernummer lassen sich Ausstattung, Qualitätsstufe und Ersatzteillage vor dem Kauf schwer beurteilen. Bei einer günstigen Uhr mit chinesischem Werk sind deshalb ein verlässlicher Händler, ein klar genanntes Kaliber und ein gutes Rückgaberecht besonders wichtig. Uhrenhersteller und Marken aus dem Land stellen wir bei den chinesischen Uhrenmarken vor.

Manufakturwerk: Was der Begriff wirklich sagt

Ein Manufakturwerk wird von einer Uhrenmarke selbst entwickelt und in wesentlichen Teilen selbst gefertigt. Der Begriff ist allerdings nicht so eindeutig geregelt wie Swiss Made. Deshalb lohnt es sich, bei jeder Marke zu prüfen, welche Arbeitsschritte tatsächlich im eigenen Haus stattfinden.

Welche Uhrenmarken bauen eigene Uhrwerke?

Diese Marken sind bekannte Beispiele für eigene Kaliberentwicklung und Werkefertigung. Das bedeutet nicht automatisch, dass jedes aktuelle oder historische Modell der Marke ein Manufakturwerk besitzt.

  • Rolex entwickelt und fertigt seine mechanischen Kaliber innerhalb der eigenen Schweizer Produktionsstätten.
  • NOMOS Glashütte baut eigene Handaufzugs- und Automatikkaliber der DUW-Familie.
  • Glashütte Original verbindet die eigene Werkefertigung mit einer hohen Fertigungstiefe am Standort Glashütte.
  • A. Lange & Söhne entwickelt eigene Werke, die aufwendig konstruiert, finissiert und montiert werden.
  • Seiko fertigt vom Großserienkaliber bis zum Grand-Seiko-Werk zahlreiche mechanische Kaliber innerhalb des Konzerns.
  • Orient nutzt eigene mechanische Kaliber und macht Manufakturtechnik damit auch in niedrigeren Preisklassen zugänglich.

Die Grenzen zwischen eigener Entwicklung, Konzernfertigung und einem stark veränderten Basiswerk sind fließend. Manche Marken kaufen ein Grundkaliber zu, verändern Hemmung, Aufzug oder Brücken und vergeben anschließend eine eigene Bezeichnung. Solche Eingriffe können den Charakter und die Leistung des Werks deutlich verändern. Eine vollständige Eigenentwicklung beginnt dagegen bereits bei der Konstruktion.

Für den Käufer bringt ein Manufakturwerk vor allem Eigenständigkeit. Ein verbreitetes ETA-, Sellita- oder Miyota-Kaliber kann dagegen Vorteile bei Wartung, Ersatzteilen und Kosten haben. Wer eine Uhr lange tragen will, sollte deshalb nicht nur nach Exklusivität fragen, sondern auch danach, wer das Werk in zehn oder zwanzig Jahren warten kann.

So findest du heraus, welches Werk in einer Uhr steckt

Gute Hersteller nennen die Kaliberbezeichnung im technischen Datenblatt. Fehlt sie, lässt sich das Werk mit einigen Schritten meist trotzdem eingrenzen.

  • Technische Daten prüfen: Suche auf der offiziellen Produktseite oder in der Bedienungsanleitung nach „Kaliber“, „Movement“ oder „Werk“.
  • Referenz statt Werbenamen suchen: Eine Marke kann einem zugekauften Werk eine eigene Bezeichnung geben. Die Kombination aus Markenreferenz und dem Begriff „base caliber“ führt häufig zur ursprünglichen Konstruktion.
  • Auf Rotor und Platine achten: Bei einem Glasboden sind Herstellerzeichen und Kalibernummer oft eingraviert. Ein Öffnen des Bodens gehört in die Hände eines Uhrmachers.
  • Maße und Funktionen vergleichen: Durchmesser, Höhe, Datumsposition, Frequenz und Anordnung der Bauteile helfen, ähnlich aussehende Werke zu unterscheiden.
  • Service vor dem Kauf klären: Bei seltenen oder nicht dokumentierten Kalibern sollte der Händler erklären können, ob eine Reparatur möglich ist oder im Defektfall das komplette Werk getauscht wird.

Eine eigene Kaliberbezeichnung kann für eine echte Modifikation, eine besondere Dekoration oder eine exklusiv gelieferte Ausführung stehen. Der Hersteller sollte diese Unterschiede in seinen technischen Angaben nachvollziehbar beschreiben.

Worauf es beim Werk wirklich ankommt

Für eine gute Uhr müssen Werk, Gehäuse und Qualitätskontrolle zusammenpassen. Die konkrete Ausführung zeigt, welche Technik hinter einem bekannten Kalibernamen steckt. Vor dem Kauf sind fünf Fragen besonders hilfreich: Besitzt das Werk die gewünschten Funktionen, wie lange läuft es ohne Bewegung, welche Gangwerte nennt der Uhrenhersteller, wer übernimmt den Service und stehen Ersatzteile zur Verfügung?

Wer eine unkomplizierte Alltagsuhr sucht, ist mit einem verbreiteten Kaliber oft gut bedient. Wer sich für besondere Konstruktionen, feine Finissierung oder technische Eigenständigkeit begeistert, findet bei Manufakturwerken mehr Charakter. Der höhere Aufwand bezahlt dabei vor allem die uhrmacherische Eigenständigkeit. Für eine präzise Zeitanzeige reicht auch ein gut reguliertes Standardwerk.

Kurz & knapp

Häufige Fragen zu Uhrwerken und Herstellern

Welche Uhrwerke sind die besten?

Das beste Uhrwerk hängt von der Uhr und ihrem Einsatz ab. Sellita SW200-1 und ETA 2824-2 gelten als bewährte Schweizer Allrounder. Miyota 9015 und Seiko NH35 bieten robuste Technik zu niedrigeren Preisen. Entscheidend sind außerdem Regulierung, Wartbarkeit, Funktionen und die Verarbeitung der gesamten Uhr.

Welche Hersteller bauen Schweizer Uhrwerke?

Zu den bekannten Schweizer Werkefertigern gehören ETA, Sellita, La Joux-Perret, Ronda und STP. Historische Namen wie Valjoux und Lemania leben heute innerhalb größerer Konzerne oder Kaliberfamilien weiter. Daneben entwickeln zahlreiche Uhrenmarken eigene Werke oder lassen exklusive Kaliber von spezialisierten Herstellern fertigen.

Was bedeuten die ETA-Qualitätsstufen?

Beim ETA 2824-2 begegnen im Handel die Bezeichnungen Standard, Elaboré, Top und Chronomètre. Sie stehen für unterschiedliche Ausführungen, Komponenten und Regulierungen desselben Grundkalibers. Die Bezeichnung Chronomètre setzt eine entsprechende Prüfung des fertigen Werks voraus. Wie genau die komplette Uhr läuft, hängt zusätzlich von ihrer Regulierung und Montage ab.

Ist Sellita so gut wie ETA?

Sellita ist ein etablierter Schweizer Werkefertiger. Das SW200-1 gehört wie das ETA 2824-2 zu den verbreiteten Schweizer Dreizeigerwerken. Beide lassen sich gut warten. Welche Uhr genauer und zuverlässiger läuft, hängt von der Ausführung, Regulierung und Montage ab.

Ist ein Miyota-Uhrwerk gut?

Miyota baut zuverlässige Großserienwerke. Das 8215 ist einfach, robust und relativ hoch gebaut. Die Kaliber 9015 und 9039 sind flacher, laufen mit 28.800 Halbschwingungen pro Stunde und eignen sich für höher positionierte Uhren. Die konkrete Kaliberfamilie zeigt deshalb mehr über die Technik als der Herstellername Miyota allein.

Ist ein Sea-Gull-Uhrwerk empfehlenswert?

Sea-Gull ist ein großer chinesischer Hersteller mechanischer Werke. Besonders bekannt ist das handaufgezogene Chronographenwerk ST1901. Die Qualität kann bei einer gut montierten Uhr überzeugen. Bei sehr günstigen Angeboten sollte man dennoch auf den Verkäufer, die Qualitätskontrolle und eine realistische Möglichkeit für Reparatur oder Rückgabe achten.

Was ist ein Manufakturwerk?

Als Manufakturwerk wird gewöhnlich ein Kaliber bezeichnet, das eine Uhrenmarke selbst entwickelt und in wesentlichen Teilen selbst fertigt. Der Begriff ist rechtlich nicht so eindeutig wie eine technische Norm. Eigene Konstruktionen bieten mehr Exklusivität. Weit verbreitete Standardwerke sind dafür häufig leichter und günstiger zu warten.

Wann gilt ein Uhrwerk als Swiss Made?

Für ein Swiss-Made-Uhrwerk müssen die technische Entwicklung, die Montage und die Kontrolle in der Schweiz stattfinden. Außerdem müssen mindestens 60 Prozent der Herstellungskosten in der Schweiz anfallen. Bestandteile aus Schweizer Fertigung müssen mindestens die Hälfte des Werts aller Bestandteile ausmachen.