Die Casio F-91W kostet wenig, wiegt kaum mehr als ein Brief und hat trotzdem eine Biografie, die für mehrere Uhren reichen würde. Wir sehen uns hier an, warum die Digitaluhr seit 1989 fast unverändert gebaut wird und wie sie zur vermeintlich gefährlichsten Uhr der Welt wurde.
Auf den ersten Blick ist an der F-91W nichts dramatisch. Drei Tasten, ein einfaches LCD, ein schwarzes Resinband und ein grünes Licht, das gerade so viel vom Display erhellt, wie man nachts wirklich braucht. Genau diese Sparsamkeit machte sie zur Kultuhr. Sie will weder Schmuckstück noch Computer sein. Sie zeigt die Zeit an und erledigt einige kleine Zusatzaufgaben, ohne Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.
Casio brachte das Modell 1989 auf den Markt. Damit gehört die F-91W eigentlich in ein Technikmuseum. Stattdessen liegt sie weiterhin in Elektronikmärkten und taucht in Filmen wie Morbius, Free Guy oder Being Frank auf. Casio bezeichnet sie als Rekord-Bestseller. Eine offizielle Gesamtstückzahl nennt das Unternehmen nicht.
Casio F91W-1 Casual Sport Watch
- 38,2 × 35,2 × 8,5 mm
- 21 g
- Resingehäuse und Resinband
- 1/100-Sekunden-Stoppuhr
- Tagesalarm und LED-Licht
- Etwa 7 Jahre Batterielaufzeit
Provisions-Link – für dich ohne Aufpreis.
Zum AngebotProvisions-Link – für dich ohne Aufpreis.
Zum AngebotDie Funktionen der Casio F-91W
Die Ausstattung passt vollständig auf das kleine Modul 593. Die Uhr zeigt Stunden, Minuten, Sekunden, Datum und Wochentag an. Zwischen dem 12- und 24-Stundenformat lässt sich per Tastendruck wechseln.
-
Stoppuhr
Misst bis 59 Minuten und 59,99 Sekunden sowie Zwischenzeiten und die Zeiten des ersten und zweiten Platzes.
-
Alarm
Ein täglicher Alarm und ein zuschaltbares Stundensignal erinnern akustisch an feste Zeitpunkte.
-
LED-Licht
Eine kleine seitliche Leuchtdiode macht die Anzeige im Dunkeln ablesbar, leuchtet sie aber nicht gleichmäßig aus.
Das Gehäuse misst 38,2 × 35,2 Millimeter und ist nur 8,5 Millimeter hoch. Mit 21 Gramm verschwindet die F-91W beinahe am Handgelenk. Gerade schmale Handgelenke und Menschen, die große Uhren störend finden, profitieren davon. Das Kunstharzglas bekommt leichter Kratzer als Mineral- oder Saphirglas. Dafür bleibt die gesamte Uhr leicht und günstig.
Eine CR2016-Batterie versorgt die Uhr nach Herstellerangabe ungefähr sieben Jahre lang mit Energie. Häufige Nutzung von Alarm, Stoppuhr und Beleuchtung kann die tatsächliche Laufzeit verkürzen.
Auf dem Gehäuse steht Water Resistant. Damit eignet sich die F-91W für Spritzwasser und Regen, aber nicht zum Duschen, Baden oder Schwimmen. Die Unterschiede zwischen den Wasserdichtigkeitsklassen erklären wir weiter unten genauer.
Die angegebene Genauigkeit von ±30 Sekunden pro Monat klingt neben einer funkgesteuerten Uhr bescheiden. Im Alltag bedeutet sie, dass die Zeit gelegentlich nachgestellt werden muss. Mehr Technik verbirgt sich nicht dahinter. Die F-91W empfängt kein Funksignal, verbindet sich mit keinem Smartphone und zeigt keine Nachrichten an.
Die Stoppuhr zählt vorwärts und endet nach knapp einer Stunde. Einen rückwärts laufenden Countdown kann die Casio F-91W nicht einstellen.
3 Dinge, die die Casio F-91W zur Kultuhr machen
Die F-91W ist weniger wegen einer einzelnen Funktion berühmt als wegen ihrer ungewöhnlichen Mischung aus Preis, Beständigkeit und Wiedererkennungswert. Drei Eigenschaften erklären, warum das Modell nach mehr als drei Jahrzehnten noch immer funktioniert.
Ein Design, das seit 1989 kaum verändert wurde
Der blaue Rahmen, die gelbe Aufschrift „Illuminator“, das rote Rechteck und die leicht gedrungene Typografie stammen sichtbar aus den späten 1980er-Jahren. Casio hat das Design nicht modernisiert, sondern in einen Klassiker verwandelt. Was lange altmodisch wirkte, passt heute perfekt zum Retro-Trend.
Die F-91W löste allerdings nicht die Quarzkrise aus. Diese traf die Schweizer und europäische Uhrenindustrie bereits in den 1970er- und frühen 1980er-Jahren. Als die F-91W erschien, waren günstige Quarz- und Digitaluhren längst etabliert. Sie wurde vielmehr zu einem besonders langlebigen Ergebnis dieser Entwicklung.
Günstig, leicht und erstaunlich ausdauernd
Bei einer Uhr mit 21 Gramm gibt es wenig Masse, die stören oder beschädigt werden kann. Das flexible Resinband, der verschraubte Edelstahlboden und die einfache Elektronik eignen sich für Schule, Arbeit, Reisen und Sport. Kleine Kratzer fallen bei einer so zweckmäßigen Uhr kaum ins Gewicht.
Die F-91W läuft jahrelang mit einer Knopfzelle und verlangt außer einer gelegentlichen Korrektur der Uhrzeit wenig Pflege. Gerade weil sie günstig ist, wird sie nicht wie ein empfindliches Sammlerstück behandelt. Viele Exemplare sammeln dadurch mehr persönliche Geschichten als deutlich teurere Uhren.
Eine dunkle zweite Karriere
Ihre dritte Karriere hat sich Casio gewiss anders vorgestellt. Die weltweit verfügbare Digitaluhr tauchte auf Fotos von Osama bin Laden, in freigegebenen US-Militärakten und in Berichten über Gefangene in Guantánamo auf. Ausgerechnet eines der gewöhnlichsten Konsumprodukte der Welt wurde dadurch zum vermeintlichen Erkennungszeichen für Terroristen.
Diese Verbindung erklärt den provokanten Beinamen „gefährlichste Uhr der Welt“. Gefährlich ist dabei nicht die Uhr selbst, sondern die Bedeutung, die Geheimdienste und Medien ihr zeitweise zuschrieben.
Die Geschichte der Terroristen-Uhr Casio F-91W
Im April 2011 bekam die harmlose Plastikuhr ihren dunkelsten großen Auftritt. Medien werteten damals freigegebene Guantánamo-Akten aus. In zahlreichen Berichten erwähnten US-Analysten eine schwarze F-91W oder die silberne A159W als Hinweis auf mögliche Verbindungen zu Al-Qaida.
Einige Akten bezeichneten die Casio ausdrücklich als Uhr, die im Umfeld von Al-Qaida für improvisierte Sprengsätze verwendet worden sei. Der Besitz tauchte gemeinsam mit Reisewegen, Kontakten, Aufenthalten in Ausbildungslagern und weiteren Erkenntnissen in den Bewertungen einzelner Gefangener auf. Laut einer Auswertung des Guardian erwähnten mehr als 50 Gefangenenberichte eines der beiden Casio-Modelle.
Auch Osama bin Laden trug auf älteren Aufnahmen eine schwarze Digital-Casio, die als F-91W gilt. Das Bild wurde zu einem festen Bestandteil der ungewöhnlichen Geschichte dieser Uhr.
Keine Nutzung im Sinne des Erfinders
Die F-91W war für diese Zuschreibung besonders anfällig, weil sie billig und nahezu überall erhältlich war. Genau das schwächt zugleich ihren Wert als Erkennungsmerkmal. Millionen Menschen tragen das Modell als Schul-, Sport-, Arbeits- oder Reiseuhr. Derselbe Gegenstand kann deshalb in völlig unterschiedlichen Lebenswelten auftauchen.
Die freigegebenen Akten zeigen, wie ein Alltagsprodukt in einem bestimmten historischen Moment politisch aufgeladen wurde. Für die F-91W bedeutete das eine bizarre Form von Berühmtheit. Ihr schwarzes Gehäuse stand plötzlich nicht mehr nur für japanisches Industriedesign und günstige Alltagstechnik, sondern auch für den Sicherheitsapparat nach den Anschlägen vom 11. September 2001.
Der Titel „gefährlichste Uhr der Welt“ ist deshalb bewusst zugespitzt. Er beschreibt die Geschichte, die sich um das Modell gebildet hat. Technisch ist die F-91W eine sehr einfache Digitaluhr mit Stoppuhr, Alarm und Licht.
Ist die Casio F-91W wasserdicht?
Bei dieser Frage lohnt sich ein genauer Blick auf die Beschriftung. Casio führt die F-91W als wasserabweisend beziehungsweise „Water Resistant“. Nach der eigenen Nutzungstabelle des Herstellers reicht das für Händewaschen, Wasserspritzer und Regen. Zum Duschen, Baden oder Schwimmen ist diese Klasse nicht vorgesehen.
Das bedeutet in der Praxis: Ein Regenguss oder Spritzer am Waschbecken sollte die Uhr nicht aus dem Takt bringen. Längere Aufenthalte im Wasser und Wasserdruck durch Schwimmbewegungen gehören nicht zu ihrem vorgesehenen Einsatz. Wie die Einstufungen genau zu lesen sind, erklären wir ausführlicher im Ratgeber über wasserdichte Uhren.
Casio W-59 als wasserdichte Alternative
Die Casio W-59 sieht der F-91W sehr ähnlich, besitzt aber eine Wasserdichtigkeit bis 5 bar. Casio erlaubt mit dieser Einstufung Baden, Waschen und Duschen. Für regelmäßiges Schwimmen empfiehlt der Hersteller erst Uhren mit mindestens 10 bar.
Casio HerrenArmbanduhr Digital Quarz Harz W-59-1VQES
- 37,1 × 33,6 × 8,7 mm
- 22 g
- Resingehäuse und Resinband
- Wasserdicht bis 5 bar
- 1/100-Sekunden-Stoppuhr
- Etwa 7 Jahre Batterielaufzeit
Provisions-Link – für dich ohne Aufpreis.
Zum AngebotProvisions-Link – für dich ohne Aufpreis.
Zum AngebotWir hatten die W-59 bereits selbst am Meer dabei. Unser Exemplar überstand dabei auch den Kontakt mit Salzwasser. Nach einem solchen Einsatz sollte die Uhr mit klarem Süßwasser abgespült und getrocknet werden, damit Salz nicht dauerhaft an Gehäuse und Band bleibt.
Farbvarianten und ähnliche Casio-Uhren
Die klassische F-91W bleibt das schwarze Modell mit blauem Rahmen. Casio hat das Grunddesign inzwischen auf weitere Farben und Sondereditionen übertragen. Wer lieber ein Metallband trägt, findet mit A158, A159 und A168 enge Verwandte. Die Bedienung und die digitale Gestaltung bleiben vertraut, während Material, Licht und Gehäuseform variieren.
Casio Herren-Armbanduhr Collection A158WEA-1EF
Casio Collection Unisex Retro Armbanduhr A168WG-9EF, Gold/Gold/Grau, Einheitsgröße
Casio Vintage f-91w (35,2 mm) digitales Zifferblatt/senfgelbes Harz F-91WC-9AEF
Die A158 kombiniert ein ähnliches Digitalmodul mit einem Edelstahlband. Die goldfarbene A159 setzt stärker auf den Retro-Look. Bei der A168 fällt vor allem die gleichmäßigere elektrolumineszente Beleuchtung auf. Einen größeren Überblick über diese Baureihen findest du bei unseren Casio Retro Uhren. Weitere Kollektionen des japanischen Herstellers stellen wir im Ratgeber über Casio Uhren vor.
Fazit zur Casio F-91W
Die F-91W ist eine Uhr voller Widersprüche. Sie sieht nach vergangenen Jahrzehnten aus und wird weiterhin gebaut. Sie kostet wenig und besitzt trotzdem Kultstatus. Sie wiegt fast nichts und trägt eine erstaunlich schwere Geschichte mit sich herum.
Als Alltagsuhr überzeugt sie vor allem durch ihr geringes Gewicht, die einfache Bedienung und die lange Batterielaufzeit. Wer mit ihr schwimmen möchte oder eine helle Nachtbeleuchtung erwartet, sollte zu einer anderen Casio greifen. Für alle anderen bleibt die F-91W genau das, was sie seit 1989 ist: eine kleine Digitaluhr, die ihren Zweck erfüllt und dabei weit mehr Gesprächsstoff liefert als viele Luxusuhren.
Häufige Fragen zur Casio F-91W
Warum gilt die Casio F-91W als gefährlich?
US-Militärakten brachten die F-91W mit Al-Qaida und improvisierten Sprengsätzen in Verbindung. In Berichten über Gefangene in Guantánamo tauchte der Besitz der Uhr als möglicher Hinweis auf. Ihre weltweite Verbreitung machte diese Zuordnung allerdings ausgesprochen ungenau.
Ist die Casio F-91W wasserdicht?
Casio führt die F-91W als wasserabweisend. Sie verträgt Händewaschen, Spritzwasser und Regen, ist aber nicht zum Duschen, Baden oder Schwimmen vorgesehen. Dafür eignet sich die ähnlich gestaltete Casio W-59 mit 5 bar besser.
Seit wann gibt es die Casio F-91W?
Casio brachte die F-91W 1989 auf den Markt. Das grundlegende Design mit schwarzem Resingehäuse, rechteckigem Digitaldisplay und drei seitlichen Tasten blieb seitdem nahezu unverändert.
Wie lange hält die Batterie der Casio F-91W?
Casio gibt für die CR2016-Batterie eine ungefähre Laufzeit von sieben Jahren an. Wie lange sie tatsächlich hält, hängt unter anderem davon ab, wie häufig Alarm, Stoppuhr und Beleuchtung verwendet werden.
Hat die Casio F-91W einen Countdown-Timer?
Nein. Die F-91W besitzt eine Stoppuhr für abgelaufene Zeit, Zwischenzeiten und die Zeiten des ersten und zweiten Platzes. Ein rückwärts laufender Countdown gehört nicht zu ihren Funktionen.
