Im sächsischen Glashütte befinden sich die prestigeträchtigsten deutschen Uhrenmanufakturen wie A. Lange & Söhne, Glashütte Original oder Nomos. Erfahre hier mehr über die exquisiten Uhrenhersteller aus Glashütte.
Glashütte ist ein Ort mit 6.500 Einwohnern im Erzgebirge und zugleich die wichtigste Adresse der deutschen Uhrmacherei. Mehrere Manufakturen fertigen hier mechanische Uhren, die weltweite Aufmerksamkeit erzeugen. Das Siegel „Glashütte” ist dabei weit mehr als nur eine Herkunftsbezeichnung. Dahinter steht eine eigene Bauweise mit Dreiviertelplatine und handgraviertem Unruhkloben, an der sich die Manufakturen bis heute messen lassen.
Begonnen hat alles 1845, als Ferdinand Adolph Lange die erste Uhrenmanufaktur eröffnete, unterstützt von einem Darlehen der sächsischen Regierung. Der Bergbau im Ort war versiegt, die Einwohner verarmt. Heute steht der Name Glashütte für dieselbe Rolle, die das Vallée de Joux in der Schweiz einnimmt. Diese Übersicht stellt alle ansässigen Hersteller vor und erklärt, was die Herkunftsangabe auf dem Zifferblatt tatsächlich bedeutet.
Liste der Uhrenmarken aus Glashütte
Neun Hersteller fertigen heute in Glashütte, die meisten von ihnen bauen mechanische Automatikuhren. Die Liste ordnet sie nach dem Jahr, in dem die Marke entstand.
| Marke | Jahr | Preislage |
|---|---|---|
| A. Lange & Söhne | 1845 | Haute Horlogerie |
| Glashütte Original | 1845 | Luxus |
| Mühle-Glashütte | 1869 | Gehoben |
| Union Glashütte | 1893 | Gehoben |
| Tutima | 1927 | Gehoben |
| Nomos Glashütte | 1990 | Gehoben |
| Bruno Söhnle | 2000 | Gehoben |
| Wempe | 2006 | Luxus |
| Moritz Grossmann | 2008 | Haute Horlogerie |
Preisstufen Gehoben 500–2.500 € Luxus 2.500–20.000 € Haute Horlogerie ab 20.000 €
Die Uhrenmanufakturen aus Glashütte
Die Porträts folgen der Preislage von oben nach unten. Sie beginnen bei den Manufakturen, deren Uhren fünfstellig kosten, und enden bei den Marken, die schon im dreistelligen Bereich zu haben sind.
A. Lange & Söhne | |
|---|---|
| Gründung | 1845 / 1990 |
| Gründer | Ferdinand Adolph Lange |
| Zugehörigkeit | Richemont |
| Preislage | Haute Horlogerie |
| Website | alange-soehne.com |
A. Lange & Söhne ist die einzige deutsche Marke, die international zur Haute Horlogerie gezählt wird. Ferdinand Adolph Lange gründete sie 1845, 1948 wurde das Unternehmen enteignet, und erst 1990 baute sein Urenkel Walter Lange die Marke gemeinsam mit Günter Blümlein neu auf. Heute gehört sie zum Richemont-Konzern und zählt in unserer Übersicht der Luxusuhrenmarken zur Spitzengruppe.
Kennzeichnend sind die Dreiviertelplatine aus Neusilber, die Schraubenunruh und der von Hand gravierte Unruhkloben, dessen Muster bei keiner zweiten Uhr gleich ausfällt. Jedes Werk wird zweimal montiert: einmal zum Einlaufen, dann wieder zerlegt, gereinigt und endgültig zusammengesetzt. Die bekannteste Linie ist die Lange 1 mit ihrem außermittigen Zifferblatt und dem Großdatum, dazu kommen der Datograph als Chronograph und die Zeitwerk mit springender Ziffernanzeige.
Glashütte Original | |
|---|---|
| Gründung | 1845 / 1994 |
| Gründer | Nachfolger der Glashütter Uhrenbetriebe |
| Zugehörigkeit | Swatch Group |
| Preislage | Luxus |
| Website | glashuette-original.com |
Glashütte Original führt die Tradition der volkseigenen Glashütter Uhrenbetriebe fort, in denen ab 1951 die Betriebe des Orts zusammengefasst waren. 1994 wurde das Unternehmen privatisiert, seit 2000 gehört es zur Swatch Group. Die Fertigungstiefe ist außergewöhnlich hoch, das Haus stellt bis hin zu Zifferblättern in der eigenen Manufaktur in Pforzheim das meiste selbst her.
Im Programm stehen die klassische Senator-Linie, die sportlichere SeaQ als Taucheruhr und die PanoMaticLunar mit ihrem asymmetrischen Zifferblatt. Typisch ist das Panoramadatum, bei dem beide Ziffern auf einer Ebene liegen und keine Trennlinie zeigen.
Wempe Chronometerwerke | |
|---|---|
| Gründung | 1878 / 2006 |
| Gründer | Gerhard D. Wempe |
| Zugehörigkeit | Familienunternehmen |
| Preislage | Luxus |
| Website | wempe.com |
Das Hamburger Familienunternehmen Wempe kaufte 2006 die alte Sternwarte auf dem Hügel über Glashütte und richtete dort eine Manufaktur ein. Der Standort ist mehr als Symbolik: In der Sternwarte sitzt zugleich eine amtlich anerkannte Chronometerprüfstelle, die einzige in Deutschland. Uhren anderer Hersteller können dort nach DIN 8319 zertifiziert werden.
Unter dem Namen Chronometerwerke baut Wempe eigene mechanische Uhren, die diese Prüfung durchlaufen. Der Markensitz bleibt Hamburg, gefertigt und geprüft wird in Glashütte.
Moritz Grossmann | |
|---|---|
| Gründung | 1854 / 2008 |
| Gründer | Karl Moritz Grossmann, Neugründung durch Christine Hutter |
| Zugehörigkeit | eigenständig |
| Preislage | Haute Horlogerie |
| Website | grossmann-uhren.com |
Karl Moritz Grossmann gehörte zu den Gründervätern des Orts und rief 1878 die Deutsche Uhrmacherschule Glashütte mit ins Leben. Seine Firma überdauerte ihn nicht lange. 2008 belebte die Uhrmacherin Christine Hutter den Namen wieder und baute in Glashütte eine kleine Manufaktur auf.
Die Werke tragen handgefertigte Teile bis hin zu violett angelassenen Schrauben und einer eigenen Zeigerstellung, bei der die Uhr beim Stellen stehen bleibt und mit dem Druck auf einen Drücker sekundengenau weiterläuft. Die Stückzahlen liegen im niedrigen dreistelligen Bereich pro Jahr.
Nomos Glashütte | |
|---|---|
| Gründung | 1990 |
| Gründer | Roland Schwertner |
| Zugehörigkeit | eigenständig |
| Preislage | Gehoben |
| Website | nomos-glashuette.com |
Nomos wurde 1990 von Roland Schwertner gegründet, unmittelbar nach der Wende, und ist bis heute inhabergeführt. Die Marke steht für eine klare, am Bauhaus geschulte Gestaltung: schmale Zeiger, gestochene Ziffern, viel freie Fläche. Die Tangente aus dem Gründungsjahr ist das bekannteste Modell und praktisch unverändert im Programm.
Technisch bemerkenswert ist, dass Nomos seit 2005 eigene Kaliber baut und mit dem Swing-System sogar die Hemmung selbst fertigt, also jenes Bauteil, das sonst fast alle Hersteller zukaufen. Damit gehört die Marke zu den wenigen echten Manufakturen in dieser Preisklasse. Was ein Automatikwerk ausmacht, erklärt unsere Typenberatung.
Union Glashütte | |
|---|---|
| Gründung | 1893 / 1996 |
| Gründer | Johannes Dürrstein |
| Zugehörigkeit | Swatch Group |
| Preislage | Gehoben |
| Website | union-glashuette.com |
Der Uhrenhändler Johannes Dürrstein gründete Union Glashütte 1893 mit dem ausdrücklichen Ziel, gute Glashütter Uhren auch außerhalb der Oberschicht verkaufbar zu machen. Nach dem Zweiten Weltkrieg verschwand die Marke, 1996 wurde sie wiederbelebt. Heute gehört sie wie Glashütte Original zur Swatch Group.
Die Ausrichtung ist geblieben: mechanische Uhren mit ruhiger Gestaltung im unteren vierstelligen Bereich. Bekannt sind die Belisar als Fliegeruhr und die Noramis als klassische Dreizeigeruhr.
Mühle-Glashütte | |
|---|---|
| Gründung | 1869 / 1994 |
| Gründer | Robert Mühle |
| Zugehörigkeit | Familienunternehmen |
| Preislage | Gehoben |
| Website | muehle-glashuette.de |
Robert Mühle baute ab 1869 Messgeräte für die Glashütter Uhrmacher, keine Uhren. Erst 1994 begann die Familie in fünfter Generation mit eigenen Armbanduhren. Diese Herkunft prägt das Programm bis heute: Mühle baut Schiffsuhren, Marinechronometer und robuste Gebrauchsuhren, viele davon für den nautischen Einsatz.
Charakteristisch ist die hauseigene Spechthalsregulierung, mit der sich der Gang feiner einstellen lässt. Die Terrasport und die Seebataillon gehören zu den bekannten Reihen.
Tutima | |
|---|---|
| Gründung | 1927 |
| Gründer | Ernst Kurtz |
| Zugehörigkeit | eigenständig |
| Preislage | Gehoben |
| Website | tutima.com |
Tutima entstand 1927 in Glashütte, gegründet von Ernst Kurtz. Nach 1945 verlagerte sich die Marke nach Niedersachsen und baute dort jahrzehntelang Fliegerchronographen, unter anderem den Bundeswehr-Chronographen von 1984. Erst 2011 kehrte das Unternehmen mit Firmensitz und Fertigung nach Glashütte zurück.
Der Schwerpunkt liegt weiter auf technisch-sportlichen Uhren. Die Grand Flieger führt die Tradition der Fliegeruhren fort, die M2 richtet sich an militärische Anwender.
Bruno Söhnle | |
|---|---|
| Gründung | 2000 |
| Gründer | Bruno Söhnle |
| Zugehörigkeit | Familienunternehmen |
| Preislage | Gehoben |
| Website | brunosoehnle.de |
Bruno Söhnle ist der günstigste Einstieg mit Glashütter Herkunft. Der Uhrmacher gründete die Marke 2000 im Ort, das Programm besteht überwiegend aus veredelten Quarzwerken und einigen Automatikmodellen. Damit unterscheidet sie sich klar von den Manufakturen mit eigener Werkfertigung, liegt preislich aber auch um ein Vielfaches darunter.
Für wen eignet sich das? Für alle, die eine sauber verarbeitete deutsche Uhr mit klassischem Auftritt suchen und auf ein Manufakturkaliber verzichten können. Die folgende Auswahl zeigt gerade lieferbare Modelle.
Bruno Söhnle UHRENATELIER GLASHÜTTE/SA Merano Chronograph 17-13233-441 Unisexuhr
Bruno Söhnle UHRENATELIER GLASHÜTTE/SA Stuttgart III Big 17-13175-342 Herrenarmbanduhr
Bruno Söhnle Herren-Armbanduhr XL Analog Quarz Leder 17-73146-741
Was Made in Glashütte bedeutet
Auf vielen Zifferblättern steht neben dem Markennamen der Zusatz Glashütte oder Glashütte i/SA, die Abkürzung für „in Sachsen”. Die ansässigen Hersteller haben sich darauf verständigt, den Ortsnamen nur dann zu verwenden, wenn mindestens 50 Prozent der Wertschöpfung des Uhrwerks in Glashütte entsteht.
Wichtig ist der Unterschied zur Schweiz: Hinter „Swiss made” steht eine Verordnung mit einer festen Grenze von 60 Prozent der Herstellungskosten. Für Glashütte gibt es keine vergleichbare gesetzliche Regelung, die Angabe beruht auf einer Selbstverpflichtung der Manufakturen. Wer genau wissen will, welche Teile aus dem Ort stammen, kommt deshalb nicht um die Angaben des jeweiligen Herstellers herum.
Die Herkunftsangabe sagt zudem nichts über die Fertigungstiefe aus. A. Lange & Söhne, Glashütte Original, Nomos und Moritz Grossmann entwickeln und bauen eigene Kaliber. Andere Marken im Ort veredeln zugekaufte Werke oder montieren sie, was die Uhren nicht schlechter macht, aber einen anderen Aufwand bedeutet. Mehr zu diesem Unterschied steht in unserer Übersicht der Uhrwerke-Hersteller.
Geschichte der Uhrenindustrie in Glashütte
1845 kehrte der Uhrmacher Ferdinand Adolph Lange von einer mehrjährigen Wanderschaft nach Sachsen zurück. Längere Zeit hatte er im schweizerischen Vallée de Joux verbracht, damals das Tal der Uhrmacher. Dort lernte er das Verlagssystem kennen: Spezialisierte Werkstätten fertigen einzelne Bauteile, ein Verleger fügt sie zusammen und verkauft die fertige Uhr.
Die Schweiz als Vorbild für Glashütte
Dieses Modell wollte Lange in seiner Heimat aufbauen. Die sächsische Regierung vergab dafür ein Darlehen, und sie wählte Glashütte aus einem bestimmten Grund: Nach dem Versiegen der Erzvorkommen war der Ort verarmt, eine neue Erwerbsquelle dringend nötig. Am 7. Dezember 1845 eröffnete Lange gemeinsam mit seinem Mitarbeiter Adolf Schneider die erste Manufaktur und bildete sofort 15 Lehrlinge aus.
Wie der Mythos Glashütte entstand
Die Rechnung ging auf. Ein Großteil der ausgebildeten Uhrmacher machte sich selbstständig und spezialisierte sich auf einzelne Komponenten, die Lange zu vollständigen Uhren zusammensetzte. 1851 zeigte er die Uhren auf der Weltausstellung in London und kehrte mit vollen Auftragsbüchern zurück. Ab 1855 siedelten sich weitere Manufakturen an.
Damit das Wissen im Ort blieb, gründete der Zentralverband der deutschen Uhrmacher am 1. Mai 1878 die Deutsche Uhrmacherschule Glashütte. Karl Moritz Grossmann, selbst Uhrmacher vor Ort, war einer der Initiatoren. In ihrem Gebäude ist heute das Deutsche Uhrenmuseum Glashütte untergebracht.
Glashütte heute
Die DDR-Zeit hat die Struktur des Orts grundlegend verändert. 1948 wurden die Betriebe enteignet, 1951 im volkseigenen Betrieb Glashütter Uhrenbetriebe zusammengefasst. Nach 1990 entstand daraus die heutige Vielfalt: Glashütte Original ging aus dem VEB hervor, A. Lange & Söhne wurde neu gegründet, Nomos kam als Neugründung dazu, Mühle kehrte zu Armbanduhren zurück.
Für Besucher lohnt sich der Weg ins Erzgebirge. Neben dem Uhrenmuseum bieten mehrere Manufakturen Führungen an, und die Sternwarte auf dem Hügel beherbergt die einzige amtlich anerkannte Chronometerprüfstelle Deutschlands. Wie sich die Glashütter Marken im nationalen Vergleich einordnen, zeigt unsere Übersicht der deutschen Uhrenmarken.
Häufige Fragen zu Uhren aus Glashütte
Welche Uhrenmarken kommen aus Glashütte?
In Glashütte sitzen A. Lange & Söhne, Glashütte Original, Nomos Glashütte, Union Glashütte, Mühle-Glashütte, Tutima, Bruno Söhnle, Moritz Grossmann und die Chronometerwerke von Wempe. Die Spanne reicht von Uhren um 500 Euro bis zu sechsstelligen Sammlerstücken.
Was bedeutet Glashütte auf dem Zifferblatt?
Die Angabe verweist auf den Fertigungsort im sächsischen Glashütte, oft in der Schreibweise Glashütte i/SA für „in Sachsen“. Die ansässigen Hersteller haben sich darauf verständigt, dass mindestens die Hälfte der Wertschöpfung des Uhrwerks vor Ort entstehen muss. Anders als bei Swiss made steht dahinter keine gesetzliche Regelung, sondern eine Selbstverpflichtung der Manufakturen.
Welche Glashütter Uhr ist die beste?
Nach uhrmacherischem Anspruch führt A. Lange & Söhne, deren Werke von Hand vollendet und zweifach montiert werden. Glashütte Original bietet eine ähnlich hohe Fertigungstiefe zu deutlich niedrigeren Preisen. Wer eine mechanische Uhr aus Glashütte unter 3.000 Euro sucht, findet sie bei Nomos, Union Glashütte oder Mühle-Glashütte.
Welche Glashütte Uhren sind wertvoll?
Die höchsten Preise erzielen limitierte Modelle von A. Lange & Söhne, etwa aus den Reihen Datograph, Zeitwerk und Lange 1. Auf dem Gebrauchtmarkt sind vor allem frühe Stücke nach der Neugründung von 1990 gefragt. Bei den übrigen Glashütter Marken bewegt sich der Wiederverkauf im üblichen Rahmen, dort zählen Zustand, Papiere und Vollständigkeit mehr als der Name.
Warum sind Uhren aus Glashütte so teuer?
Der Aufwand steckt im Werk. Glashütter Manufakturen fertigen eigene Kaliber in kleinen Stückzahlen, versehen sie mit Dreiviertelplatine, Schraubenunruh und handgraviertem Unruhkloben und montieren sie zweimal, um jedes Teil nach dem Einlaufen erneut zu prüfen. Diese Arbeitsschritte kosten Stunden, die in den Preis eingehen.
Wo liegt Glashütte?
Glashütte ist eine Kleinstadt im Osterzgebirge in Sachsen, rund 30 Kilometer südlich von Dresden und nahe der tschechischen Grenze. Sie hat etwa 6.500 Einwohner. Das Deutsche Uhrenmuseum Glashütte im Gebäude der früheren Uhrmacherschule zeigt die Geschichte des Orts.
